Wohl jeder war schon einmal auf einer Burg
oder einer anderen Befestigungsanlage, und hat diese besichtigt, oder in der
Umgebung gesucht. So manchmal taucht dann die Frage auf, welchen baulichen Zweck
die einzelnen "Burgenteile" hatten.
Ist dies bei einem Ziehbrunnen noch klar, stellt sich bei
einigen Burgen etwa die Frage, was wohl der senkrechte Schacht, der ehemals die
Etagen verband, zu bedeuten hatte... ein Speiseaufzug?
Vorab eins:
Unterlassen Sie bitte die Suche direkt an oder gar in der Burg. Eine Burg und das direkte Umfeld ist/sind ein Denkmal! Natürlich, Armnrustbolzen oder Pfeilspitzen sind interessant... aber die findet man auch im Umfeld. Oder finden Sie es etwa besonders toll, bei einem Burgbesuch mit ihren Kindern dauernd irgendwelche Löcher zu sehen? Doch weiter:
Anschließend sei einmal anhand einer
"Beispielburg", des Hohengeroldsecks zwischen Lahr und Biberach,
gezeigt, welche Bewandnis die einzelnen Baulichkeiten hatten; hier
geht's zur Burgbeschreibung, und hier zur Antwort auf die Frage "wo
suchen auf einer Burg?". Und auf
dieser Webseite finden sich allerlei Links zu Deutschen Burgen.

Man gelangt durch das unterste Burgtor (1)
in die Vorburg (2). Eine starke Futtermauer (3)
sicherte den Burgweg außerhalb des Tores gegen den Berghang und stand mit der
äußeren Umwehrung der Burg durch Wall und Palisadenzaun in Verbindung.
Von diesen Befestigungen durch Schanzen (4), welche die
ganze Außenseite der Ringmauer (5) umgaben, findet man
heute nur noch allgemeine Umrisse, besonders südlich der ehemaligen
"Toilette" (6).
An der Ostecke der Vorburg lag der Eingang (7)
zur eigentlichen Burg, gedeckt durch eine starke Toranlage. Hinter dieser 2,75 m
breiten Toröffnung kam man in das Vorwerk (8), ein sich
verengendes Trapez von 9 auf 4,5 m, in dessen hinterer Schmalseite ein zweites
Tor, bis zu 2 m breit, auf das Plateau der unteren Burg (9)
führte.
Dieses Plateau ist 95 m lang, 60 m breit und zum größten Teil in den Bereich
der Ringmauer (5) einbezogen, die ursprünglich 9 m hoch
und 2,10 m dick war.
Sie hatte einen hölzernen Wehrgangaufbau in einer Höhe von
6,35 m und an geeigneten Stellen Erkerausbauten (Scharwachtürmchen).
Am Nordwestzug der Ringmauer anstoßend stehen Reste von 2 Seitenmauern (10),
ehemals ein zweigeschossiges Wirtschaftsgebäude.
Südwestlich vom vorderen Palas sitzen in der Mauer abgebrochene Konsolsteine
(5a) einer Steintreppe nach dem Wehrgang. In der südlichen Kehre der Ringmauer
sind Baureste der Toilette (6) erhalten.
Das an die nordöstliche Ringmauer angefügte Hofgebäude (11),
mit einem Rundturm in der Mitte, war Wohnhaus für die Dienerschaft. In der
Mitte der unteren Burg (9) erhebt sich ein 6-8 m hoher
Porphyrfelsen, auf welchem die eigentliche Burg mit 2 Palassen, das alte oder
hintere "Hus" (12) und das neue oder vordere Hus
(13) stand und in dem dazwischen gelegenen Burghof (14)
zwei kleinere Wirtschaftsgebäude (15 und 16) mit
leichterem Mauerwerk.
Den Aufgang zum eigentlichen Schloß bildete eine in der
Nordecke beginnende Treppe (17), die zwischen dem hier dem
Felsen vorgelegten Brunnenhaus (18) und der Nordmauer des
neuen Hauses (13) emporführte und über eine Zugbrücke (19)
hinüber rechts umbiegend in den Burghof (14) mündete.
Das Hauptaugenmerk wendet sich dem hinteren Palas zu. Seine Längsseiten, innen
gemessen, betragen ungefähr 15 m.
Das Erdgeschoss umfasste 5 Räume, kellerartig und zur
Verteidigung, von denen der dem Treppenturm (20)
benachbarte Raum nur von diesem und durch die zugemauerte Schlupftüre (14a)
vom Burghof aus zugänglich war. Im zweiten Stock war die Ritterwohnung. Über
der unteren Eingangstür (14b) beginnt, von Backsteinen
gemauert, ein schmaler Schacht, der bis in das vierte Stockwerk hinaufführt und
in einer Nische endigt; er diente der großen Uhr und deren Gewichte. Das dritte
Stockwerk scheint den eigentlichen Zwecken der Prunkentfaltung gedient zu haben.
Das oberste Geschoss enthielt Wohnräume für die Frauen. In
der Südwestecke des alten Palas steht der runde Treppenturm (20),
der in einem schlanken, achteckigen Helm endigte, dessen unterste Quader mit dem
energisch gekehlten Gesims sich noch vorfinden.
Gegenüber dem alten Hus erhob sich das neue (13),
heute nur noch in den Grundmauern erhalten; es hatte im umgekehrten Sinne die
gleiche Form wie der hintere Palas. Von der inneren Raumgestaltung fehlen,
abgesehen vom Keller in der Nordwestfassade und der darüber liegenden Kapelle,
alle weiteren Merkmale. Auch in diesem Palas vermittelte ein Treppenturm (21)
den Zugang zu den verschiedenen Stockwerken.
Ein Meisterwerk ihrer Art war die Wasserversorgungsanlage. In
das harte Urgestein hatte man einen 65m tiefen Brunnenschacht gesprengt und
darüber das Brunnenhaus (18) mit Verteidigungsanlagen gebaut. Auch der
Transport des Wassers nach den oberen Behausungen in beiden Palassen war auf das
sorgfältigste gesichert; selbst wenn die ganze untere Burg, der Hauptaufgang
und sogar der obere Burghof in Feindeshand gefallen waren.
Die Erbauung der Burg fällt in die Jahre der Frühgotik,
also um 1250. Sie wurde während ihres Bestehens mehrmals belagert, so im Jahre
1426 und 1486.
Die endgültige Zerstörung erfolgte durch die Franzosen
1689. Die Hohengeroldseck blieb von da an dem Verfall überlassen.
In den Jahren nach 1860 regte das Grhzgl. Bezirksamt Lahr erstmals Maßnahmen
für die Erhaltung der rascher dem Untergang verfallenden Ruine an.
1892-1901 erfolgte eine Restaurierung in der Weise, daß das Ergebnis auf eine
möglichst lange Reihe von Jahren für gesichert galt. In den Jahren 1951 und
1952 wurden durch Verfallerscheinungen notwendig gewordene Ausbesserungen
vorgenommen und gleichzeitig der Plan zum Bau einer steinernen Wendeltreppe
ausgeführt, ohne am Treppenturm wesentliche Veränderung oder
Vervollständigung vorzunehmen.
Auf jeden Fall nicht in der Burg selbst. Wer so etwas macht, beschert den seriösen Kollegen genau
das Image, welches vorherrscht.
Relativ schadlos für die Wissenschaft
(aber auch hier gibt es natürlich gegenteilige Auffassungen) ist eine Suche im
Umfeld der Burg. Und die ist bei weitem Erfolg versprechender, als etwa dass Tun
einiger Verrückter, die keine Ahnung vom Sondengehen haben, und deswegen die
komplette Burg umgraben.
So ist ein planmäßiges Abgehen der Verbindungswege von der Burg nach dem "Hauptverkehrsweg" (oder umgekehrt) sinnvoll. Der
Gründe gibt es viele:
-
Besucher haben vor Betreten der Burg
vielleicht wohlweislich ihre Barschaft vergraben
-
Die Burg war auch Zollstation; Verbergung
also, um Geld zu sparen
-
Nach Überfällen hat mancher einen Teil
der Beute vergraben; somit war weniger zu teilen
und derer anderer Gründe. Natürlich hat
auch so manch Besucher der Burg bei seinem doch anstrengenden, weil meist
steilen Aufmarsch am Wegesrand gerastet, und dabei vielleicht etwas verloren,
oder ein Fuhrwerk konnte beim abwärtsfahren nicht mehr bremsen, rauschte in den
Wald, kippte um, und verlor einen Teil der Ladung.
Auch in der Nähe der Burg gibt es einige
fundträchtige Stellen; etwa unterhalb der ehemaligen Toilette, deren Geschäfte
ja in "freiem Fall" entsorgt wurden. Wer daran denkt, was sich
heutzutage alles in der Kanalisation findet, der weiß, was auch damals schon
verloren wurde.
Quellen in der Nähe sind ebenfalls
interessant. Selbst eine Burg, die über einen Ziehbrunnen verfügte, war
zumindest beim Bau auf eine anderweitige Wasserversorgung angewiesen.
Die Stellen, an denen die ehemaligen
Wirtschafts- oder Wohngebäude an die äußere Ringmauer reichten; hier wurde
oft der Müll, also auch defekte Metallteile oder Schnallen, einfach durchs
Fenster entsorgt. Allerdings sind diese Teile im Verlaufe der Zeit, etwa durch
Regen, natürlich erheblich nach unten verbracht worden.
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