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Die Länge eines Zaines (des Schaftes) betrug ca. 30 - 40 cm, die Länge des Bolzeneisens durchschnittlich 5 - 8 cm. Von besonderer Wichtigkeit bei der Fertigung eines Bolzens war die Lage des Schwerpunktes, von ihr hingen Treffsicherheit und Tragweite des Geschosses ab. Bei kurzen Bolzen lag der Schwerpunkt, von der Spitze an gerechnet, im ersten Drittel, bei längeren Bolzen im ersten Viertel des Bolzens.
Bei diesen Berechnungen entsprach das Gewicht des Bolzeneisens dem des Zaines. Jeder einzelne Bolzen wurde durch entsprechendes Kürzen den gewünschten Anforderungen angepasst. Die Befestigung der Bolzeneisen erfolgte entweder durch Dorn oder Tülle. Diese beiden Befestigungsarten sind wichtige Kriterien zur zeitlichen Einordnung der Bolzeneisen (siehe Chronologie).
In seltenen Fällen tragen Bolzeneisen oder Zain Marken von Erzeuger oder Besitzer. Rudolf Cederström beschreibt in der Zeitschrift für historische Waffenkunde (6. Band, 1912‑1914) solche Marken, geschrieben mit Tinte am Zain des Bolzens. Es handelt sich hierbei um Zeichen und Initialen der „Pfilschiften", wie die Erzeuger von Armbrustbolzen genannt wurden. Als Detail am Rande sei hier die Markierung türkischer Pfeile erwähnt. Jeder Bogenschütze hatte im Gefecht sein eigenes Zeichen und bekam je nach Trefferzahl eine Sonderprämie ausgezahlt.

Oben Links: Drei gotische Kriegsbolzeneisen mit quadratischem Querschnitt, Gewicht ca. 30 g, Länge 7 bis 8 cm, um 1500.
Oben Rechts: Drei Harnischbolzeneisen mit Dorn und viereckiger, scharfer Spitze, Länge 6,5 bis 8 cm, Gewicht 20 bis 25 g, um 1400.
Transport der Armbrustbolzen
Die Armbrustbolzen, auch Hauspfeile genannt, wurden in einem Köcher am Gürtel getragen.
Die Köcher bestanden meist aus einem Weichholzkörper, welcher mit einem Fell von Wildschwein oder Dachs überspannt war. Der Köcher hatte Platz für ca. acht Bolzen, die mit der Spitze nach oben gelagert wurden. Überlieferte Jagdköcher zeigen im Bereich des Köchermundes an der Innenwand eine Überspannung mit rotem Leder. Oftmals wurde der noch blutige Bolzen vom Tierkörper direkt in den Jagdköcher gestellt.
Die Länge der Köcher lag zwischen 40 und 50 Zentimeter. Kunstvolle Verzierungen zeigen hohe handwerkliche Fähigkeiten und viel Liebe zum Detail.
Chronologie der Bolzeneisen
Die sicherste Datierung eines Bolzeneisens ist dann gegeben, wenn es mit einer bekannten Schmiedemarke versehen ist oder wenn das Bolzeneisen bei Ausgrabungen in einer bestimmten Ausgrabungsschicht gemeinsam mit anderen Objekten gefunden wird. Der erste Fall kommt leider nur sehr selten vor und letzterer bleibt den Archäologen vorbehalten.
Datierung nach der Form
Wie schon erwähnt, unterscheidet man grundsätzlich zwei Befestigungsarten, nämlich Bolzen mit Dorn und solche mit Tülle.
Da sich die Armbrust aus dem Bogen entwickelt hat und bei den Handbögen die Pfeilspitzen mit Dorn am Schaft befestigt waren, finden wir bei den ältesten Bolzeneisen vorwiegend solche mit Dorn und Pfeilspitzenform. Diese Bolzeneisen sind lang und schmal und haben einen rhombischen Querschnitt. Dieser Bolzentyp wurde bis in das 13. Jahrhundert verwendet.
Der anschließende Entwicklungsschub machte die Armbrüste technisch ausgefeilter und stärker. Die Bolzeneisen wirken jetzt wuchtig, gedrungen, zeigen quadratischen Querschnitt und werden mit Hilfe einer Tülle am Zain befestigt. Diese Entwicklung ist auch durch eine differenzierte Anwendung der Armbrust als Kriegs- oder Jagdwaffe bedingt.
Allgemein kann gesagt werden, daß die Befestigung des Bolzeneisens am Zain mit Tülle ab ca. 1350 erfolgte. In einer Übergangsphase zwischen etwa 1300 und 1350 wurden bei de Befestigungsarten nebeneinander angewandt.
Datierung nach Gewicht
Leichte Bolzeneisen bis ca. 30 g gehören zu den ältesten Typen. Sie haben große Ähnlichkeit mit Pfeilspitzen und wurden vom 12. bis in das 16. Jahrhundert verwendet.
Mittlere Bolzeneisen bis 50 g fanden vom 14. bis in das 16. Jahrhundert Verwendung.
Schwere Bolzeneisen über 50 g waren ebenfalls vom 14. bis zum 16. Jahrhundert in Gebrauch. Verschossen wurden sie von schweren Wallarmbrüsten.
Typologie der Bolzeneisen
In der Fachliteratur finden sich die verschiedensten Parameter, nach denen die Bolzeneisen eingeteilt werden: Gewicht, Form, Herstellungsdatum, Befestigung der Bolzen am Zain, Verwendung, Querschnittsform, Länge usw.
Als praktikables Einteilungskriterium der Bolzeneisen hat sich der Einsatzbereich erwiesen.
Danach unterscheidet man: Kriegsbolzeneisen, Jagdbolzeneisen, Scheibenbolzeneisen.
Kriegsbolzeneisen
Gotisches oder internationales Bolzeneisen:
Kennzeichnend für diesen Typ ist eine Länge von 5 bis 8 cm und ein Gewicht von 25 - 40 g.; Die Eisen besitzen eine Vierkantspitze und wirken plump und eingezogen. Die Tülle (ab dem 14. Jh.) mit Durchmesser von 1 bis 1.5 cm verjüngt sich im Inneren kegelförmig. Der quadratische Querschnitt verleiht dem Bolzen eine hohe Festigkeit und Durchschlagskraft.
Brandbolzeneisen
Hier handelt es sich um lange, schlanke Eisen mit Widerhakenspitze. Die Länge beträgt 18 cm, das Gewicht ca. 30 g. Zwischen Spitze und Tülle ist eine Brandmasse befestigt. Die Mischung aus Harz, Öl, Schwefel oder Pulver wurde vor dem Abschuss entzündet und anschließend auf Schindeldächer abgefeuert. Die Widerhaken verhinderten ein abrutschen der Bolzen und setzten das Dach in Brand.
Harnischbolzeneisen
Wie der Name schon verrät, wurden diese Bolzeneisen beim Durchschlagen von Rüstungen eingesetzt. Die Länge beträgt 5 bis 8 cm und das Gewicht 30 bis 40 g. Charakteristisch sind drei- oder viereckige, scharf zugeschliffene Spitzen.
Heulbolzeneisen
Durch die Anordnung von Löchern im Bolzeneisen kam es zu pfeifenden und heulenden Fluggeräuschen. Die hohen Töne sollten den Gegner verunsichern und seine Kampfkraft schwächen. Besondere Wirkung wurde bei der feindlichen Reiterei erzielt. Scheuende Pferde störten die angreifende Formation und boten zusätzliche Angriffspunkte.
Jagdbolzeneneisen
Bolzen mit flacher, blattförmiger Spitze:
Dieser Typ entwickelte sich aus dem gotischen Bolzeneisen, daher finden wir dieselben Maße und Gewichte. Charakteristisch ist eine flache Spitze mit Mittelgrat. Dieser Bolzen erzeugte tiefe Schnittwunden im Körper des Tieres.
Gabelbolzeneisen
Dieser Typ ist durch eine gabelförmige, flache und scharfe Doppelspitze charakterisiert. Das Bolzeneisen ist mit ca. 100 g sehr schwer, eignete sich nur für geringe Schußentfernungen und schlägt tiefe, bis zu 10 cm breite Wunden in den Tierkörper.
Prallbolzeneisen
Dieses Eisen besitzt statt der Spitze eine abgerundete Platte und soll das Tier töten, ohne das Wildbret oder den Balg zu zerstören. Verwendet wurde es für Vögel und Hasen. Die Maße und Gewichte entsprechen dem internationalen Typ.
Das bärtige Bolzeneisen
Dieses Eisen wurde besonders für die Jagd auf Großwild eingesetzt. Das Bolzeneisen wiegt ca. 100 g, hat eine flache, ca. 8 cm breite, dreieckige Spitze und eignet sich nur für relativ kurze Distanzen.
Scheibenbolzeneisen
Mit der Entstehung der ersten Schützengeseilschaften zu Beginn des 15. Jh. entwickelten sich auch neue Typen von Bolzeneisen, die den „sportlichen" Anforderungen gerecht wurden.
Dieser Typ von Bolzeneisen zeigt entweder einen runden oder schraubenförmigen Kopf und zeichnet sich durch eine sehr genaue Verarbeitung aus.
Oftmals findet man am Zain eine „Mücke". Das ist eine Ausnehmung vergleichbar mit einem Kirn, die das Zielen auf die Scheibe erleichtert. Individuelle Marken, meist mit Tinte am Zain angebracht, weisen auf den Schützen hin.

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