"Das ist doch ein Unding!" Erich Struck, Mitarbeiter des Kuratoriums Landschaft Schleswig-Holstein, mag es einfach nicht glauben. "Nun stellen Sie sich mal vor, da weist ein Schild auf dem Hügel auf ein archäologisches Denkmal hin, der Tourist will sich das näher betrachten – und direkt daneben ist dann ein Klärwerk!" Anlass für seinen Ärger: In der Gemeinde Boksee befindet sich eine steinzeitliche Fundstätte. Der Hügel, umgeben von einem einzigartigen Moor, liegt auf einem Gebiet, das vom Kuratorium betreut wird. Doch ein Stück Land direkt neben dieser Anhöhe gehört der Gemeinde Boksee. Die plant nun, auf diesem kleineren Hügel die Klärgruben für ihre zentrale Ortsentwässerung anzulegen. Und dagegen hat auch das Archäologische Landesamt – trotz der Bedenken von Struck – nichts einzuwenden. Seinen Anfang nahm die Geschichte im Jahre 1930. Der Lehrer August Läufer war von "Herrn Landmann Jansen" darauf aufmerksam gemacht worden, dass in Boksee ganz ähnliche örtliche Verhältnisse vorlägen wie am Südufer des Wellsees, wo eine Steinzeitsiedlung entdeckt worden war. "Beim ersten Besuch des Bokseer Geländes stieß ich sogleich auf bearbeitete Flintsteine, Zeugen einer alten Steinzeitsiedlung", schrieb Läufer 1934 in dem Heft "Heimat". Man müsse sich vorstellen, dass die ganze Gegend um die Gewässer herum einst mit dichtem Urwald bestanden gewesen sei. "Konnte es eine günstigere Lage für die Steinzeitleute geben, die Ackerbau und Viehzucht noch nicht kannten, sondern lediglich von Jagd und Fischfang lebten?" Nur Kundige hätten die Jägerpfade finden können, die durch Bruch und Dickicht zur Siedlung hinführten; die schmalen Zugänge ließen sich leicht verrammeln gegen feindliche Überfälle.
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