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Thema: Wüstungen

  1. #1
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    Standard Wüstungen

    Ich habe mal ein bischen was über Wüstungen zusammengestellt:

    http://www.schatzjagd.org/wuestungen.htm
    -----------
    Der Harry

  2. #2
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    Exclamation Ronson hat auch mal was über Wüstungen zusammengestellt

    Wüstungen

    1. Begriffsklärung

    1.1. Definition

    Wüstungen sind Siedlungen (Orts-Wüstung), Wirtschaftsflächen (Flur-Wüstung) oder Industrieanlagen (Industrie-Wüstung), die aufgegeben wurden. Das heißt, ihre Erscheinungsform ist zu irgendeiner Zeit untergegangen, bzw. abgegangen. Zeitgeschichtliche Perioden in denen es ausgeprägte Wüstungen gab, waren das Hoch- und Spätmittelalter (10.-13.Jh.). Waren diese Wüstungen von zahlreichen Neugründungen (von Siedlungen) begleitet , spricht man nach Schlüter von „positiver Siedlungsperiode“. Von „negativer Siedlungsperiode“ spricht man dagegen, wenn Wüstungen von wenig Neugründungen begleitet wurden.


    1.2. Klassifikation

    Im Allgemeinen lassen sich vier Wüstungserscheinungen klassifizieren:

    1. Die totale Wüstung ist durch ein völliges verschwinden einer Ortschaft, einer Industrieanlage oder eines Hofes, bzw. einer Ackerfläche mit anschliessender Verwaldung oder Vergrünlandung der bewirtschafteten Flächen gekennzeichnet.

    2. Bei der partiellen Wüstung wurden Siedlungen, Ackerfluren oder Industrieanlagen teilweise aufgegeben.
    Oft wird auch vom „brachliegen“ solcher Teil-Wüstungen gesprochen.

    3. Wurde eine Siedlung längere Zeit verlassen und dann wieder besiedelt, spricht man von temporärer Wüstung. Wurden solche Wüstungen wiederbesiedelt nachdem sie verlassen wurden, so besteht die Möglichkeit, daß solche Orte erneut abgegangen sind. Man spricht dann von permanenter Wüstung. Diese geht dann in eine totale Wüstung über, wobei es aus heutiger Sicht kaum Unterschiede zu „Dauerwüstungen“ gibt. Diese Phänomene lassen sich auch bei Flur-Wüstungen beobachten.

    4. Ortsnamen-Wüstungen sind keine echten Wüstungen, d.h. sie sind nicht unmittelbar im Gelände zu erkennen, da nur der Ortsname verloren gegangen ist oder in einen neuen Namen für eine Siedlung übergegangen ist.


    1.3. Wüstungsquotient

    Bei der Betrachtung von Wüstungsdichten (Wüstungs-Quotienten) wird die Zahl der Wüstungen (Orts-, Flur- oder Industriewüstung) in Beziehung gesetzt zu einer vorherigen oder heutigen Zahl der Orte, Höfe (Fluren) oder Industrieanlagen. Partielle Wüstungen werden hierbei jedoch nicht berücksichtigt, ebenso die Größe einer totalen Wüstung. Auch der Vergleich unterschiedlicher Wüstungsgrößen, sowie die mangelnde historische Überlieferung erschweren oft die Berechnung solcher Dichtezahlen. Deshalb sind die Daten solcher Wüstungs-Quotienten in ihrer Aussagekraft umstritten, da sich die gewonnenen Zahlen oft mangelhaft vergleichen lassen.


    2. Wüstungstypen

    2.1. Orts-Wüstungen

    Von Orts-Wüstungen spricht man im Allgemeinen dann, wenn menschliche Niederlassungen, also Siedlungen im weitesten Sinne betroffen sind (z.B. Dorf, Weiler). Solche untergegangenden Orte können alle eingangs besprochenen Wüstungsklassifikationen aufweisen. Zu erwähnen ist, daß bei totalen Orts-Wüstungen, die mit dem Ort verbundenen Fluren oft weitergenutzt wurden. Insbesondere wenn es durch Dorfzusammenlegungen zu einer Wüstung kam.


    2.2. Flur-Wüstungen

    Wüstungen die sich auf bewirtschaftete Flächen (Ackerfluren, Kulturbauflächen), also im weitesten Sinne auf landwirtschaftlich genutzte Areale beziehen.
    Es lassen sich 2 Unterscheidungen aufzeigen, welche durch eine Abstufung zwischen verschiedenen Intensitätsgraden der Nutzung gekenntzeichnet sind.
    1. Die relative Flur-Wüstung: Hierbei kommt es zu einem veränderten Gebrauch der intensiv genutzten Fluren, hin zu einer extensiv bewirtschafteten Fläche. Eine Ackerfläche mit Getreideanbau oder Rebgärten wurden in Grünland umgewandelt, d.h. sie wurden weiterhin genutzt, jedoch mit weniger Aufwand.
    2. Die absolute Flur-Wüstung: Ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen werden total aufgegeben. Ackerfluren werden zu Ödland, bzw. Brachflächen. Oft gingen solche Wüstungen in sog. Allmende über, d.h. sie waren Gemeinschaftseigentum eines Dorfes und wurden nicht weiter privat-individuell genutzt.
    Im Zuge einer Sukzession stellte sich bei solchen Wüstungen bald eine Waldgesellschaft ein, wenn man so will als natürliche potentielle Vegetation.


    2.3. Industrie-Wüstungen

    Industrieansiedlungen die aufgegeben wurden, also keine wirtschaftliche Funktion mehr erfüllten. Hierbei werden auch die Bergbauanlagen miteinbezogen, sowie die meißt in Verbindung stehenden Wohnsiedlungen solcher Industriestandorte, die ebenfalls verlassen wurden.


    2.4. Wüstungshäufigkeit

    Eine von W.Prange aufgestellte Skala der Wüstungshäufigkeit gibt Auskunft darüber, welches wüste Objekt, gemessen an deren Gesamtzahl am häufigsten auftritt. Danach ist die Reihenfolge von der größten Häufigkeit gesehen: 1. verlassene Höfe (Hofwüstungen) 2. abgegangene Orte (Orts-Wüstungen) 3. aufgegebene Äcker (Acker-Wüstungen)


    3. Ursachen für Wüstungen

    Die Ursachen für Wüstungen sind sehr vielschichtig und sicher gibt es auch örtliche und regionale Unterschiede, doch läßt sich festhalten, daß die spätmittelalterliche Wüstungsperiode als Hauptzeitraum von Wüstungserscheinungen in ganz Europa zeitlich relativ synchron läuft.
    Geht man davon aus, daß naturgeographische (physische Geofaktoren) Ursachen auf die kulturgeographischen Verhältnisse wirken, so darf sicher nicht vergessen werden, daß sich „die Einflüße der Landesnatur nur dann überzeugend klären lassen, wenn auch Bevölkerungsdichte und -entwicklung, die politisch-territoriale Gliederung, die Wirtschaftsformen und die Bodennutzung berücksichtigt werden“
    Ich möchte darauf hinweisen, daß ich hier die wichtigsten Ursachen stichpunktartig aufzähle, die für den europäischen Raum relevant erscheinen. Das heißt, daß möglichen Ursachen für den außereuropäischen Raum (z.B. Wanderfeldbau, Hackbau) keine Berücksichtigung finden.

    - Dorfballungen aufgrund zelgengebundener Feldwirtschaft. Zelgen waren ein Gemenge von Ackerparzellen, die nach einem bestimmten Flurzwang bewirtschaftet wurden, d.h. es wurde meißt von Seiten der Grundbesitzer bestimmt, welche Feldfrüchte nach der Dreifelderwirtschaft angebaut werden durfte.

    - Nach der „Fehlsiedlungstheorie“ von H.Beschorner kam es hauptsächlich wegen ungünstiger Bodenverhältnisse zu Wüstungserscheinungen.

    - Nach der „Agrarkrisentheorie“ kam es aufgrund verschiedenenr Faktoren zu Wüstungen. Zum einen war es der allgemeine Rückgang des Preis- und Lohnniveaus im 15.Jh., sowie das Verhältnis von Lohn- und Warenwert. Denn im 16.Jh. stiegen zwar die Preise für Güter und Waren, doch kam es zu einer viel schwächeren Konjunktur bei den Löhnen.Auch die Wandlungen der Bodennutzung generell, zeigt wie Wüstungen erklärt werden können. Die Abbildung 3 nach J.H.von Thünen zeigt, „wie unter dem Einfluß sinkender Preise des Getreides die Fläche der intensiven, arbeits- und kapitalaufwendigen Betriebssysteme schrumpft und die Weide sich ausdehnt“ . Mißernten und Getreidebaukrise führten mithin zu einem der wohl wichtigsten Parameter für Wüstungen: Der Abwanderung der Bevölkerung

    - Abwanderungen vollzogen sich in Richtung Stadt, andere ländliche Regionen und aufgrund politischen, bzw. grundherrschaftlichen Einflüssen. Wobei bei letzterem Punkt die Klöster eine entscheidende Rolle spielten. Die Wirtschaftstaktik war nämlich folgende: „systematischer Aufkauf zur Abrundung des gestifteten, zu Lehen erhaltenen oder sonst irgendwie erworbenen Streubesitzes unter Zentralisation der Siedlung in einem wirtschaftlichen Mittelpunkt“ .

    - Ein allgemeiner Bevölkerungsrückgang hatte verschiedene Ursachen. Einmal eine hohe Sterblichkeitsrate aufgrund von verschiedenen Seuchen (z.B. Beulenpest - 1348), Hungersnöten (1309/17) und Kriegen . Auch der Geburtenrückgang verstärkt den Bevölkerungsrückgang im Mittelalter.

    - Die wirtschaftliche Bedeutung der Städte, die jene spätmittelalterlichen Wüstungen mit Ausnahmen überstanden, indem sie hohe Sterblichkeitsraten mit Zuwanderungen relativ gut kompensieren konnte.


    4. Wüstungen erkennen

    4.1. Lokalisierung

    Am hilfreichsten sind für die Lokalisation von Wüstungen historisches Kartenmaterial, das man mit heutigen Karten vergleichend interpretieren kann. Außerdem lassen sich durch sichtbare Reste Wüstungsobjekte festmachen, auch die Recherche nach Flurbezeichnungen und sog. Gewannbezeichnungen (Gewann: Verband gleichlaufender streifenförmiger Besitzparzellen in Gemengelage, die i.d.R. keinen Hofanschluß besitzen) ist noch relativ hilfreich. Weitere Hinweise geben: Scherbenfunde (Keramik, etc.), Bodenkundliche Untersuchung mit der nach W.Lorch bekannten „Phosphat-Methode“, das bedeutet die Untersuchung nach Phosphorsäuregehalten aufgrund von Rückständen menschlicher Fäkalien und deren Abfall. Auch andere Quellen können Aufschlüsse bringen, so z.B. Kirchenbücher, Einbürgerungslisten,etc.
    Auch die moderne Luftbildtechnik macht es zusehens möglich, Wüstungen zu lokalisieren, welche im Gelände nicht unbedingt zu erkennen sind.


    4.2. Geländeinterpretation

    Nicht immer lassen sich Wüstungsobjekte daran festmachen, daß eine Ruine oder freigelegte Mauerfundamente (wonach sich Grundrisse und somit Haustypen ableiten lassen) zu beobachten sind. Gleiches gilt auch für Industrie-Wüstungen, welche oft mit sichtbaren Indizien einhergehen.
    Schwieriger wird die Geländeansprache bei Hof-, bzw. Flur-Wüstungen. Diese lassen sich z.B. durch Hochbeete im Wald erkennen. Oft finden sich hier auch Hoch- oder Stufenraine, d.h. Bodenerhebungen, die die Ackergrenzen bildeten. Auch Einfriedungen der bäuerlichen Hausgärten, wie z.B. Lesesteinmauerwälle lassen auf Wüstungen im Gelände schließen. Oft lassen sich auch Wasserreservoirs nachweisen, die zum Feuerlöschen dienten (Weiher, Teich), insbesondere bei Höfen die an einem Hang lagen. Auch Wasserkanäle, die einst vielleicht Mühlen betrieben und auch in Verbindung mit den eben erwähnten künstlichen Gewässern standen, können auf ehemalige Nutzung hindeuten. Auch alte Wegesysteme, die eine infrastrukturelle Anbindung der Höfe garantierten liegen heute oft noch an ehemaligen Hofplätzen, wo sich Wege trafen.
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  3. #3
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    Woher ist denn das?
    -----------
    Der Harry

  4. #4
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    Gefällt dir wohl nicht ????

    Soll ich dir jetzt alle Quellen nennen ?

    gruß

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  5. #5
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    @Harry

    Mal im Ernst, warum fragst du ?

    gruß

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  6. #6
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    Ich nehme nicht an dass du ein Wüstungsspezifisches Buch zu Hause liegen hast. Ergo wirst du es irgendwo im Netz gefunden haben. Da wäre es interessant für die Leute die sich mit Wüstungen befassen zu wissen, aus welcher Abhandlung es stammt, da wahrscheinlich noch mehr zu finden ist. So aus der Ferne klingt es fast wie Ausschnitte aus einer geographischen Dissertation von G. Mackenthun von 1948.
    -----------
    Der Harry

  7. #7
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    Nur zur Info mein lieber Harry, meine Großmutter war Leiterin des

    Buchhauses in Leipzig. Ergo, ich kann mich vor Büchern kaum

    retten.

    Aber ich gehorche dir und gebe dir ein kleines Literaturverzeichnis

    zu Wüstungen.

    Literaturverzeichnis

    Abel, Wilhelm - Die Wüstungen des ausgehenden Mittelalters. 2.veränderte und erweiterte Auflage mit 8 Abbildungen. 180 Seiten. G.Fischer Verlag: Stuttgart 1955

    Abel, Wilhelm - Wüstungen in historischer Sicht. In: Wüstungen in Deutschland. Ein Sammelbericht.
    Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie. Sonderheft 2. DLG-Verlag: Frankfurt am Main,
    1967. S.1-15.

    Jäger, Helmut - Dauernde und temporäre Wüstungen in landeskundlicher Sicht. In: Wüstungen in
    Deutschland. Ein Sammelbericht. Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie. Sonderheft 2.
    DLG-Verlag: Frankfurt am Main, 1967. S.16-27

    Leser, Helmut/Haas, Hans-Dieter/Mosimann, Thomas/Paesler, Reinhard (Hrsg.) - Diercke-Wörterbuch der Allgemeinen Geographie. Band 2, N-Z. 8.Auflage. Westermann/dtv: München 1995. S.390

    Scharlau, K. - Beiträge zur geographischen Betrachtung der Wüstungen. In: Badische Geographische Abhandlungen. Heft 10. Freiburg i.B./Heidelberg 1933. S.9-13

    Tietze, W. (Hrsg.) - Westermann Lexikon der Geographie. Band 4, V-Z. Braunschweig 1968. S.1029-1030.


    p.s. Archive und Bibliotheken sind mein zweites Zuhause
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  8. #8
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    Bei Amazon lässt sich auch noch eine Menge finden.

    Ansonsten sind im 19. Jh etliche Publikationen erschienen.


    gruß

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  9. #9
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    Oder in der Deutschen Bibliothek die Suchfunktion nutzen. Gibt einiges drüber, leider wenig "neues".
    -----------
    Der Harry

  10. #10
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    @Harry

    suchst du was spezielles ??


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