Der goldene Riegeler Sensationsfund
Archäologen spüren bei Ausgrabungen an der neuen Römerhalle 27 keltische Goldmünzen auf


RIEGEL. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb der Freiburger Historiker Heinrich Schreiber, dass Riegel einer der „merkwürdigsten Plätze des römischen Breisgau“ sei. Seither haben zahlreiche Ausgrabungen die Kaiserstuhlgemeinde als einen Knotenpunkt im römischen Verkehrsnetz ausgewiesen. Ein sensationeller Schatzfund aus der Keltenzeit beweist jetzt, dass Riegel bereits vor den Römern eine bedeutende Händler- und Handwerkersiedlung war.

Bereits vergangenes Jahr haben ungewöhnliche keltische Bronzemünzen, die an der Stelle des ehemaligen Königshofes zu Tage gekommen waren, die Aufmerksamkeit der Archäologen geweckt. Dieses Jahr machten die Ausgräber in Riegel eine sensationelle Entdeckung: Unter dem Pflaster einer römischen Straße stießen sie auf einen am Oberrhein einmaligen Schatz mit 27 keltischen Goldmünzen. Zudem fanden sie keltische Grubenhäuser, Pfostenlöcher und einen Töpferofen.

„Die Römer haben uns die Funde konserviert“, erklärt Ausgrabungsleiter Jörg Drauschke die außergewöhnlich gute Befundsituation. Frei gelegt wurde der Goldschatz von der Archäologin Alexandra Eisinger. „Als wir die dritte Goldmünze gefunden hatten, waren schon alle in heller Aufruhr“, erzählt Drauschke. „Da wir direkt neben einer Baustelle und einer stark befahrenen Strasse gearbeitet haben, war es extrem schwierig, die Funde geheim zu halten.“ Um zu verhindern, dass die Ausgrabungen geplündert würden, galt für die neun Grabungsmitarbeiter absolute Schweigepflicht.
In dem Gefäß waren 27 Goldmünzen versteckt worden – alles keltische Imitationen von griechischen Philippou-Stateren. Auf der einen Seite tragen sie den Kopf des Apollon, auf der anderen die Biga, ein Pferdezweigespann mit Wagenlenker. „Wenn man die Münzen jedoch genau anschaut, sind die unterschiedlichsten Typen dabei. Numismatisch eine absolute Sensation“, erklärt Dehn. Warum der Schatz in den Boden gelangte, weiss man bislang nichts. Wurde er aus Angst vor einem Überfall versteckt? Caesar berichtet über keltische Heiligtümer, in denen Unmengen von Gold gelagert wurden, und der griechische Historiker Poseidonios schreibt, dass die Flüsse bei den Kelten voller Gold sind, das die Einheimischen ohne Mühe auswaschen. Trotzdem war Gold damals sehr wertvoll. Ein Philippou-Stater, der aus hochkarätigem Gold bestand und über acht Gramm wog, war der Monatslohn eines Söldners.

BZ