Landkreis. Sie hausten zusammengepfercht wie Vieh. Auf 200 Baracken verteilt vegetierten ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkrieges 10 000 Fremd- und Zwangsarbeiter in den Lagern um Neuenkirchen herum. Wer sich in den Bretterbuden keinen Platz sichern konnte, verkroch sich zum Schlafen in die unterirdischen Kavernen: riesige Öllager, die zwischen 1938 und 1943 gebaut wurden. Außerhalb der Lager bestand das Dasein der 10 000 aus dem Bau des U-Boot-Bunkers Valentin.
„Es waren menschenunwürdige Bedingungen“, beschreibt Gabriele Jannowitz-Heumann, Leiterin des Osterholzer Kreisarchivs, die Situation in den sechs Arbeitslagern. Das älteste – und das einzige, von dem noch Baracken existieren – ist das ehemalige Marinegemeinschaftslager in Neuenkirchen. „Diese Baracken sind Teil unserer Geschichte“, sagt die Archivarin.
63 Jahre haben die stummen Zeugen aus der NS-Zeit überdauert. Nun fürchtet Jannowitz-Heumann um die verbliebenen fünf Gebäude. Sie stehen auf dem Gelände der Weser-Geest-Kaserne. „Was wird aus den Baracken, wenn sich die Soldaten wie geplant in den nächsten Jahren aus Neuenkirchen zurückziehen?“ Der Abzug der Einheiten im Rahmen der Bundeswehrreform könnte das Ende der alten Gebäude besiegeln, glaubt sie. Sie könnten dem Abrisshammer zum Opfer fallen. „Aber wenn die Baracken verschwinden, erinnert nichts mehr an die Lager.“ Bezeichnungen wie Ostarbeiterlager, Kriegsgefangenenlager, Arbeitserziehungslager und Außenkommando des Konzentrationslagers Neuengamme würden vergessen. Nichts, so gibt die Kreisarchivarin zu bedenken, werde noch an das Schicksal der 10 000 Menschen erinnern, die dort geknechtet wurden:

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