Eindrücke von einer rund einstündigen Stippvisite im St. Ingberter Besucherbergwerk Rischbachstollen
Fahrjacken heißen die weißen Jacken der Bergleute, erfahren wir. Der weiße Helm mit der Lampe dran heißt Geleucht, und am Gürtel hängt der dazu gehörige Akku, dahinter das Arschleder. Das ist eine große Leder-Lasche, mit der sich der Bergmann zum Arbeiten wie auch zum Ausruhen ruhig auf feuchtem Boden niederlassen kann. Ausgestattet mit Helm, Geleucht, Fahrjacke und Arschleder stehen wir vor dem Mundloch, dem Eingang zum Besucherbergwerk Rischbachstollen in St. Ingbert.
1959 schloss die St. Ingberter Steinkohlengrube, die den Rischbachstollen als Transportstollen genutzt hatte. Seit etwa zehn Jahren engagieren sich die Mitglieder des Vereins Besucherbergwerk Rischbachstollen - viele davon ehemalige Bergleute - darin, den Stollen zu erhalten und auszubauen, um dort Besuchern die Arbeit unter Tage vorzustellen. Ein ehrenamtliches Vereinsmitglied ist auch unser Führer Raimund Kossmann.
Einen Stollen befahren, heiße es übrigens, erklärt Kossmann. In der Grube heißt es immer fahren, wenn man sich bewegt, auch wenn man zu Fuß geht! Der Rischbachstollen wurde im Jahr 1800 erbaut und war ein Verbindungsstollen zwischen der Grube St. Ingbert und Schnappach. Vor der Fertigstellung musste die Kohle von Schnappach aus mühselig über den dazwischenliegenden Berg, die "Sechs Eichen", transportiert werden. "Wir erheben also nicht den Anspruch darauf, ein modernes Bergwerk zu sein", sagt Kossmann, "wir haben auch nix Neues. Bei uns stammt alles aus dem 18. und 19. Jahrhundert, so etwa wie bei Zola in ,Germinal'", bereitet Kossmann seine Gäste auf den Stollen vor.
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