Archäologen fanden beim Großen Stiefel ein so genanntes Klapperblech aus Bronze, das kultischen Zwecken diente
St. Ingbert. Das merkwürdige Ding ist etwa 18 Zentimeter groß und fast 3000 Jahre alt. Der Archäologe Walter Reinhard bekommt glänzende Augen, wenn er von dem Gegenstand spricht, der in der Fachsprache recht anschaulich als Bronzeklapperblech bezeichnet wird. Denn das Klapperblech gibt neue Aufschlüsse über den St. Ingberter Großen Stiefel, einen 1,5 Kilometer langen und 110 Meter hohen Buntsandsteinrücken südwestlich von St. Ingbert. Den Namen "Großer Stiefel" hat er von einem markanten Sandsteingebilde, das auffallend an einen umgedrehten Stiefel erinnert. Die dem Großen Stiefel gegenüber liegende Seite besteht aus einem zirka 25 Zentimeter tiefer liegenden Hochplateau von 300 Metern Länge und 130 Metern Breite. Wie Walter Reinhard, Referatsleiter Praktische Bodendenkmalpflege am Staatlichen Konservatoramt des Saarlandes erläutert, sind hier Funde aus fast allen Zeiten gemacht worden, insbesondere jedoch aus der Endphase der späten Bronzezeit (9. Jahrhundert vor Christus). Doch das, was Reinhards Kollege Agostino Calogero im Mai dieses Jahres mit einem Metalldetektor entdeckte, sei ein "toller Fund", der weit über das Saarland hinaus von Bedeutung sei, so Reinhard. In einer Tiefe von einem halben Meter stieß Calogero auf das Klapperblech, dem in einer angegossenen Öse zwei kleinere angeheftet waren. Solche Bleche, so der promovierte Blieskasteler Archäologe Reinhard, wurden wahrscheinlich an einem von Pferden gezogenen Wagen befestigt und verursachten beim Fahren ein klapperndes Geräusch. Im Raum Saar-Mosel bis nach Hessen gebe es viele Hort- oder "Versteckfunde" aus dieser Zeit. Wo sie vollständig erscheinen, bestehen sie, so Reinhard, immer aus drei "Objektgruppen": Frauenschmuck, Pferdegeschirr und Waffen. "Gerade die Gleichartigkeit der Zusammensetzung lässt dabei auf kultische Gründe ihres Vergrabens schließen", erklärt Walter Reinhard.
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