Preise aus der Zeit des 30jährigen Krieges:
Die optimale Ausrüstung eines Regimentes zu Fuß entsprach damals fogenden Vorstellungen:
Ein Regiment bestand aus 3.000 Söldnern. Davon waren
1.500 Musketiere, 1.300 Pikeniere und 200 Hellebardiere.
Diese 3.000 Söldner benötigten als Ausrüstung :
<li>Anzahl - Ausrüstungsgegenstand - Stück-Preis - im Jahre 1625</li>
<li>1.500 Musketen (kosteten 3 Reichstaler)</li>
<li>1.500 Musketengabeln (Preis ?)</li>
<li>1.500 Bandelliere (Preis ?)</li>
<li>1.500 Pulverflaschen mit Schnüren (Preis ?)</li>
<li>1.800 Flaschenleder (Preis ?)</li>
<li>300 Halbrohre (Kurzmusketen) (Preis ?)</li>
<li>600 Pulver- bzw. Zündflaschen samt Schnüren (Preis ?)</li>
<li>1.851 Schützenröcke (Preis ?)</li>
<li>10 Fahnen (kosteten 61 Reichstaler )</li>
<li>10 Partisanen (kosteten 2 Reichstaler )</li>
<li>50 Hellebarden für den Befehlshaber (Preis ?)</li>
<li>31 Trommeln (kosteten 4 Reichstaler)</li>
<li>20 Pfeifen (Preis ?)</li>
<li>1.200 Gewöhnliche Harnische (Preis ?)</li>
<li>1.000 Lange Spieße (kosteten 5 Reichstaler)</li>
<li>200 Gewöhnliche Hellebarden (kosteten 1 Reichstaler)</li>
<li>200 Paar Blechhandschuhe (Preis ?)</li>
<li>1 Zentner Schießpulver (kostete 40 Reichstaler)</li>
<li>Lunten (kostete 6 Reichstaler)</li>
<li>1 Zentner Musketenkugeln ( kostete 6 Reichstaler !!)</li>
<li>1.600 Pferde (Preis ?)</li>
Ein solches Regiment wurde von Hunderten Fuhrknechten und Reiterjungen betreut.
Sehr viel exklusiver waren die Preise, die für Kanonen und Mörser berechnet wurden.
Eine Rechnung eines Nürnberger Stückgießers (wie die Kanonengießer damals genannt wurden) an den Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar gibt darüber Auskunft.
Die Rechnung betraf die Fertigung und Lieferung von zwei "halben Kartaunen", einer Standardartillerie, die für die beweglich genug auch für längere Feldzüge war.
Dabei fällt auf, daß die Lohnkosten weit über den Materialwerten standen.
Im Einzelnen wurde nämlich berechnet:
638 Gulden für Rohmaterial (Kupfer. Zink, Blei),
732 Gulden Gießerlohn,
1273 Gulden an Löhnen für Wagner, Schlosser, Schmiede, Zimmerleute, Seiler und andere Handwerksleute.
Bei diesen Preisen wundert es nicht, daß auch viele ehemaligen Glockengießer sich dem lukrativen Geschäft des Kanonengusses zuwandten.
Zu jeder Halbkartaune rechnete man außerdem:
100 Eisenkugeln (jede wog 24 Pfund)
40 Zentner Pulver,
25 Zentner Lunten,
eine Lafette,
einen Hebekran,
ein Paar Räder,
mehrere Hundert Stück Schanzzeug (Beil, Hacke, Spaten, Schaufel),
Wagen,
15 bis 20 Knechte zur Bedienung, zum Transport und Stellungsbau,
mehrere Dutzend Transportpferde.
Der Materialaufwand pro Schuß betrug geschätzt fünf Reichstaler. Durchschnittlich konnten 50 Schuß täglich abgegeben werden.
Unter diesem Gesichtspunkt kann man den Verlust ermessen, wenn nach einer verlorenen Schlacht die eigenen Kanonen und vielleicht auch noch die ganze Bagage der Truppe dem Sieger in die Hände fielen. Und das passierte selbst den bekanntesten Heerführern.
Ein besonderer Glückfall war deshalb für den Schwedenkönig die kampflose Einnahme Münchens. Nachdem der Maximilian von Bayern aus Furcht vor dem "Feinderl" München fluchtartig verlassen hatte, wurden die Stadtschlüssel von der Bürgerschaft am 17. Mai 1632 feierlich (!) an Gustav Adolf übergeben.
Als Gustav Adolf das Zeughaus, das städtische Waffenlager inspizierte, fiel ihm auf, daß mehrere Kanonen fehlten.
Zum Glück für die Sieger gibt es stets genügend Kollaborateure, die wie in diesem Fall, das unterirdische Versteck von 140 (!) Kanonen verrieten. Darunter befanden sich auch die sogenannten "12 Apostel", - auffallend große Kanonen, die angeblich der bayerische General Tilly von den Schweden erobert hatte.
Alle im Zeughaus noch verbliebenen Musketen, das gesamte Pulver und Blei verstärkten nun das Waffenarsenal der Schweden.





Zitieren


