Touristen erobern den Obersalzberg
Das Berchtesgadener Land galt auch bei Nazi-Größen als Alpen-Idyll mit hohem Erholungswert. Nun besuchen Touristen aus aller Welt in den Sommermonaten den Ort, der eine kaum zu ergründende Faszination auszuüben scheint. Neben der schönen Aussicht vermarktet man deshalb auch die dunkle Vergangenheit - ein touristisches Konzept, das immer wieder kritisiert wird.

An die 300.000 Touristen strömen jährlich zum Kehlsteinhaus hoch über dem Obersalzberg. Die Bergstation in monumentaler Gralsburg-Architektur war das Geschenk der Nationalsozialisten an Adolf Hitler zum 50. Geburtstag. Das Haus auf dem schmalen Berggrat überstand die alliierten Bombenangriffe der letzten Kriegstage und beherbergt heute ein Ausflugscafé. Die Menschen in und um Berchtesgaden nehmen die Aufregung um die nationalsozialistische Hinterlassenschaft eher gelassen, leben sie doch gut von und mit dem Obersalzberg, den kaum ein Mann besser kennt als Schorsch Winkler. Der Busfahrer hat in mehr als 7000 Fahrten Tausende von Besuchern hinauf auf Hitlers Hochsitz befördert. Die Filmautoren Nina Kleinschmidt und Henri Wagner haben ihn einige Tage auf seinen Touren begleitet und sind Besuchern begegnet, für die der Obersalzberg noch heute mehr als ein Stück bayerischer Alpenidylle ist.