Einen Ausflug an den Westwall im Hollerather Wald unternahmen rund 50 Gäste auf Einladung des Vereins der Geschichts- und Heimatfreunde Euskirchen.
Der Westwall: ein milliardenteurer Flop
Einen Ausflug an den Westwall im Hollerather Wald unternahmen rund 50 Gäste auf Einladung des Vereins der Geschichts- und Heimatfreunde Euskirchen.
Kreis Euskirchen / Hollerath - Laut Einladungstext hatte der Verein der Geschichts- und Heimatfreunde zu einer 3,5 Kilometer Wanderung entlang der „Höckerlinie“ eingeladen - und dabei offensichtlich etwas gemogelt. Denn der Ausflug ging nicht über 3,5 Kilometer, sondern über 3,5 Stunden. Und das auch noch bei einem Sauwetter, das normalerweise nicht eben zu Spaziergängen animiert. Aber wohl keiner der triefend nassen Ausflügler hat den Fußmarsch am Ende wohl bedauert.
Dank des ehemaligen stellvertretenden Gemeindedirektors von Hellenthal, Walter Hanf, und des 22-jährigen Zeitsoldaten Sebastian Petermann aus Zülpich wurde der nasskalte Trip zu einem äußerst informativen Ausflug in die Historie. Die beiden Referenten konnten mit wissenswerten Fakten über die militärischen, historischen und auch lokalen Auswirkungen der „Höckerlinie“ aufwarten.
Auf dem Maifeld in Saarbrücken nahm das gigantische Bauwerk der „Vorstellung Aachen“ seinen Lauf. Nazi-Diktator und Kriegstreiber Adolf Hitler verkündete dort am 9. Oktober 1938, dass „wegen der feindseligen Haltung der Gegner Deutschlands“ auch im Raum Aachen eine Verteidigungslinie zu errichten sei.
70 Kilometer lang
Der bereits vorhandene Wall hatte an der Grenze zwischen Deutschland und den Benelux-Staaten eine Lücke. Deshalb setzte man eine gewaltige Maschinerie in Gang, um die 70 Kilometer lange Lücke zwischen Kohlscheid bei Aachen und Ormont bei Losheim zu schließen. Tausende Arbeiter und Baufirmen wurden zwangsverpflichtet, um die bis zu 1,50 Meter hohe und 13,45 Meter breite „Höckerlinie“ zu errichten. Panzer bis zu einem Gewicht von 20 Tonnen sollte der Westwall aufhalten.
Auf „Dezentralisierung“, so Petermann, wurde bei der Strategie gesetzt. Die Soldaten sollten auf die geplanten 2040 Bunker in Trupps zu etwa 20 Mann verteilt werden, um möglichst keine konzentrierte Angriffsfläche zu bieten. Das Projekt, das Milliarden von Reichsmark gekostet haben soll, scheiterte dennoch. Am Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland konnte die „Aachen Vorstellung“ nichts ändern. Denn für die Schlacht in der Normandie wurden alle verfügbaren Einsatzkräfte und Materialien vom Westwall abgezogen. Bis dahin hatte man ohnehin nur 800 der geplanten 2000 Bunker gebaut, und der Westwall war für Panzer kein wirkliches Hindernis. „Kaum einer blieb auf den Höckern stecken“, so Hanf. Denn es waren innerhalb der Linie noch genügend Waldwege offen geblieben, über die die Kettenfahrzeuge der Amerikaner vorstoßen konnten.
Für die Bevölkerung der Eifel war die Linie aus wirtschaftlicher Sicht sowohl Fluch als auch Segen. Die Nazis hatten den Landwirten das benötigte Gelände ohne Federlesen abgenommen. Dafür hatten aber örtliche Bauunternehmer und Fuhrleute Hochkonjunktur. Und auch die Gastronomie und Händler verdienten sich an den Heerscharen von rekrutierten Bauarbeitern, die zuhauf in Barackenlagern in den Eifel-Dörfern untergebracht waren, eine goldene Nase.
Während der Schlacht in der Normandie wurden die verwaisten Bunker von den Bauern als Lagerräume für Rüben und Kartoffeln genutzt. Stahlträger und andere Baumaterialien wurden aus den Bunkern geholt, um sie beim Wiederaufbau der zerstörten Häuser zu verwenden. Nach dem Krieg wurden die Bunker von den Engländern nahezu vollständig gesprengt.
Die Trümmer dienen heute Fledermäusen und anderen Kleintieren als Refugium. Aber nicht nur deshalb ist Hanf der Ansicht, dass noch bestehende Anlagen erhalten bleiben sollten: „Das sind Relikte, die an eine verhängnisvolle Zeit erinnern.“ Aber sowohl Denkmal- als auch Naturschützer hätten sich bislang vergeblich für den Erhalt der Bunker eingesetzt. Denn, so die Vermutung Hanfs, das Bundesvermögensamt bekomme als heutiger Eigentümer jährlich für die Bunker-Beseitigung eine Million Mark aus Steuermitteln und sichere damit quasi seine Existenzberechtigung.
Kölner Stadtanzeiger






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