Die Taliban spielen offenbar auf Zeit und haben erneut mit einem Eingeständnis überrascht. Man habe den mutmaßlichen Terroristenmäzen Bin Laden an einem geheimen Ort unter Kontrolle, verkündeten Afghanistans Herrscher - zu seiner eigenen Sicherheit.

Washington/Islamabad - Die Taliban deuteten auch Verhandlungsbereitschaft an. Aus dem Weißen Haus verlautete jedoch, es gebe keinen Spielraum für Verhandlungen. Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, sagte am Sonntag, Bin Laden befinde sich zu seiner eigenen Sicherheit an einem geheimen Ort. Nur Sicherheitsbeamte wüssten, wo dieser Ort sei. Bisher hatten die Taliban stets erklärt, sie seien nicht über den Aufenthaltsort Bin Ladens informiert.
Botschafter Saif betonte, Bin Laden werde nicht an die USA ausgeliefert, solange Washington keine ausreichenden Beweise für seine Verstrickung in den Terrorismus vorlege. Nach amerikanischen Medienberichten erwähnte er in diesem Zusammenhang aber erstmals das Wort Verhandlungen. Die Position der USA und Afghanistans sei sehr verschieden, wurde Saif im amerikanischen Fernsehen zitiert. "Die USA denken an einen direkten Angriff, wir denken an Verhandlungen." Sollten die USA Beweise vorlegen, dann könnte dies die Lage verändern.
Ein Beamter des Weißen Hauses wurde im Fernsehsenders CNN mit den Worten zitiert, es gebe keinen Spielraum für Verhandlungen; Bin Laden müsse ausgeliefert werden. Auch werde Washington keine weiteren Beweise für Bin Ladens Verwicklung in den internationalen Terrorismus vorlegen.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte sich im Fernsehsender NBC skeptisch zu den Erklärungen. Er habe keine Grund zu der Annahme, dass die Taliban dieses Mal die Wahrheit sagten. Vor einigen Tagen hätten sie noch erklärt, sie wüssten nicht, wo sich Bin Laden aufhalte. Zudem sei mit einer Auslieferung Bin Ladens das Problem noch nicht gelöst. Seine Organisation sei weit verzweigt und gut organisiert. Der Terror könne also auch ohne Bin Laden weiter gehen.