Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus nutzen die Geheimdienste zunehmend das Wissen ihrer Kollegen aus dem Ausland. Um dem gemeinsamen Feind Paroli bieten zu können, arbeitet der Bundesnachrichtendienst nun aufs engste mit der Nachfolgeorganisation des russischen KGB zusammen.
Moskau - Die Gefahr von Terroranschlägen wie auf das World Trade Center besteht nach Einschätzung des russischen Inlandsgeheimdienstes auch für Europa und Russland. "Wir wären gerne optimistisch, aber die Gefahr bleibt, solange die Terrorherde und deren Finanzierungswege über Waffen- und Drogenhandel bestehen", sagte der Sprecher des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Sdanowitsch. "Wer Tschetschenien aus der Terrorismus-Diskussion ausklammern will, der verrechnet sich. Da kann genau dasselbe passieren wie in den USA."
Zufrieden zeigte sich Sdanowitsch mit der Lageeinschätzung der "deutschen Kollegen". Da sei verstanden worden, dass die terroristischen Kader auch durch ganz Europa und bis nach Deutschland nomadisieren könnten, so Sdanowitsch. Und wenn es da noch Zweifel gab, habe der Anschlag auf das WTC die letzten Beweise dafür geliefert. Die Zusammenarbeit mit den Deutschen habe aber schon eine lange Vorgeschichte. In ganz Europa klappe die Kooperation zwischen FSB und BND am besten. Präsident Wladimir Putins Besuch in Berlin könne dennoch neue Impulse geben. Wichtig sei internationale Kooperation, die auf Uno-Ebene angesiedelt sein sollte.

Erste Kontakte 1992

Die Kooperation zwischen FSB einerseits und BND und deutschem Verfassungsschutz andererseits habe sich auch schon vor dem 11.September sehr schnell und dynamisch entwickelt, erklärte der FSB-General in einem Hintergrundgespräch im ehemaligen KGB-Hauptquartier an der Moskauer Lubljanka. Die Zusammenarbeit habe 1992 begonnen.

Seit 1997 gebe es eine Vereinbarung über den Kampf gegen Terrorrismus, Waffen- und Drogenschmuggel sowie illegale Einwanderung. "Wir hatten bereits erste gute Erfahrungen mit den deutschen Kollegen bei einer größeren Aktion gegen Drogenschmuggel aus Afghanistan", sagte Sdanowitsch. Der Besuch des BND-Chefs in Grosny im Jahre 1998 habe auch einen gewissen Effekt gehabt. "Besser einmal sehen als tausendmal hören." Die deutsch-russische Kooperation sei sicherlich die effektivste in Europa. "Das hier erreichte Niveau hoffen wir auch auf andere Länder auszudehnen."

Bisher gibt es laut Sdanowitsch aber nur jeweils bilaterale Beziehungen zwischen dem KGB-Nachfolger und den Geheimdiensten anderer Länder. Der FSB wolle aber mehr. Wünschenswert sei eine umfassende internationale Zusammenarbeit, in der nicht nur theoretisch erörtert werde, wie der Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu führen sei, sondern auch eine konkrete Strategie und Operationen erarbeitet werden sollten. Es sei bisher schwer zu sagen, in welchen Formen das passieren könnte. Man könnte aber zum Beispiel nach einer Grundsatzdebatte in der Uno und im Uno-Sicherheitsrat "konsultative Strukturen" bilden. Bei einem möglichen Informationsaustausch müssten jedoch "konkrete Quellen und operative Positionen" sorgsam verborgen werden. Mit Daten und Fachleuten müsse aber dennoch geholfen werden, wie das auch jetzt schon bilateral geschehe.

Abstimmen von Schwarzen Listen

So sei am 24. September eine FSB-Delegation von Anti-Terrorspezialisten in die USA geflogen, um dort mit "einzigartigen Erfahrungen und Informationen" bei der Aufklärung konkret zu helfen, wer die Attentate auf das WTC organisiert habe. Solange die Operation noch nicht abgeschlossen sei, müsse aber diese Information, die an die USA weitergegeben wurde, vertraulich bleiben. Es gehe dabei natürlich auch darum, die Schwarzen Listen von Verdächtigen aufeinander abzustimmen. Bisher hätten die USA leider nach dem russischen Sprichwort gehandelt "Meine Hütte steht am Dorfrand, mich geht das nichts an".

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