Am Sonnabend wird in der Bunkerwarte des HTI Peenemünde die Ausstellung „Bilder aus Dora – Zwangsarbeit im Raketentunnel 1943-45“ eröffnet. Die Schau ist bis zum 30. Dezember zu sehen.

Peenemünde (OZ) Einem Zufall ist es zu verdanken, das am Sonnabend um 14.30 Uhr im Hauptraum der Bunkerwarte des Historisch-Technischen Informationszentrums (HTI) die Sonderausstellung „Bilder aus Dora – Zwangsarbeit im Raketentunnel 1943 – 1945“ gezeigt werden kann. Wie HTI-Chef Dirk Zache informierte, wurden die Fotos zufällig 1998 entdeckt. Aufgenommen wurden sie durch den Kameramann und Fotografen Walter Frentz, dessen Sohn die Bilder in einem alten Überseekoffer auf dem Dachboden fand. Er konnte seinen Vater überreden, die wertvollen Bilder zu veröffentlichen und dem Ullstein-Bilderdienst Berlin zur Verfügung zu stellen. Yves Le Maner und André Sellier von „La Coupole“, dem Partnermuseum des HTI in Frankreich, hatten die Idee, diesen Fotos Zeichnungen aus den Privatsammlungen ehemaliger KZ-Häftlinge aus Dora gegenüberzustellen. Vertreter der Amicale des Deportes a Dora-Ellrich, einer der beiden internationalen Organisationen der ehemaligen Zwangsarbeiter im Mittelwerk bei Nordhausen und Zeitzeugen aus Peenemünde, werden ebenfalls bei der Ausstellungseröffnung dabei sein.

Nicht weit von der thüringischen Stadt Nordhausen entfernt wurde die Serienproduktion der V-Waffen in eine unterirdische Rüstungsfabrik verlegt, nachdem Peenemünde in der Nacht vom 17. zum 18. August 1943 bombardiert wurde. Mit Hilfe von KZ-Häftlingen wurde dort die größte unterirdische Rüstungsfabrik der damaligen Zeit gebaut, das „Mittelwerk“. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die KZ-Häftlinge die so genannten Geheimwaffen des Dritten Reiches, die V 1-Flugbombe und V 2-Flüssigkeitsrakete, produzieren. Heute ist bekannt, dass etwa 20 000 Häftlinge dort ihr Leben lassen mussten.

Die moderne mit High Tech gefüllte Waffenschmiede „Mittelwerk“ auf der einen und die menschenverachtende Ausbeutung der im angrenzenden Konzentrationslager „Dora“ inhaftierten Häftlinge auf der anderen Seite sind Thema der Ausstellung. Für Zache sind die Bilder besonders wertvoll, da Aufnahmen in der Rüstungsfabrik wegen strengster Geheimhaltung verboten waren. „Auf den Bildern erkennt man, dass der Fotograf ein Profi war. Die Aufnahmen sind perfekt ausgeleuchtet“, sagt Zache. Die auf den Bildern gut gekleideten und wohlgenährten Häftlinge lassen vermuten, dass sie kurz nach der Inhaftierung entstanden. „Damit sollten möglicherweise weitere Firmen zur Mitarbeit in der Fabrik gewonnen werden“, glaubt Zache. Am Abend ist im Zinnowitzer „Baltic“ um 20 Uhr eine Gesprächsrunde geplant.


Ostseezeitung