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Thema: Wald(flur)namen 'Eisenhut' und 'Franzosenwald'

  1. #1
    Stammuser Avatar von Rabbit
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    Question Wald(flur)namen 'Eisenhut' und 'Franzosenwald'

    Hallo zusammen,

    ich weiß nicht, ob ich diesen Beitrag an der richtigen Stelle plaziert habe. Sonst bitte verschieben.

    Es gibt im Großraum München zwei Waldgebiete mit ungewöhnlichen Flurnamen, zu denen ich gerne Näheres gewusst hätte: 'Eisenhut' und 'Franzosenwald'. Kann jemand vermuten, wie es zu dieser Namensgebung gekommen sein könnte bzw. was dort zu finden sein könnte?

    Zum 'Eisenhut': Der Eisenhut war ein militärischer Kopfschutz früherer Zeit. Bezüglich der Zeitstellung bin ich mir nicht ganz sicher, irgendwo zwischen Mittelalter und 30 jährigen Krieg. Deutet der Name vielleicht auf Kampfhandlungen in dem Gebiet hin?

    Zum 'Franzosenwald'. Diesen Namen kann ich mir nur in Zusammenhang mit der Präsenz französischer Soldaten in Bayern im ersten Jahrzehnt des 19. Jhd. erklären. War dort vielleicht mal ein Lager oder eine Stellung? Natürlich werde ich dieser Frage noch nachgehen, aber haltet ihr diese Namensherkunft für hinreichend wahrscheinlich um mal näher nachzuforschen?

    Viele Grüße
    Rabbit

  2. #2
    Stammuser Avatar von Bacchus
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    Interessant klingt es allemal. Ist jedoch Eisenhut nicht auch eine Pflanze, aus der man - keine Ahnung wie und ob´s stimmt - Zyankali gewinnen kann? Könnte ja u.U. darauf hindeuten, dass im als "Eisenhut" bezeichneten Gelände die Pflanze mit demselben Namen häufig zu finden war.

    Jakob
    Kaiser sind in einer bedauernswerten Lage. Nur ihre Ermordung beweist der Öffentlichkeit, dass die gegen sie gerichteten Verschwörungen tatsächlich existieren.

    Domitian

  3. #3
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    Hallo Bacchus,

    du hast Recht, Eisenhut ist auch die Bezeichnung einer Pflanzenart.

    Allerdings ist mir noch kein Flurname untergekommen, der so spezifisch auf eine Pflanzenart Bezug nimmt. Auf weitverbreitete Bäume bezogen ja - Buchet, Birket, Daxet usw. - , aber sonst halt nicht.

    Dennoch ist das natürlich ein guter Hinweis, und ich werde ihn im Hinterkopf behalten.

    Viele Grüße
    Rabbit

  4. #4
    Stammuser Avatar von Lothar_Hamburg
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    Standard Eisenhut

    schon möglich, dass ein Waldstück danach benannt wurde.
    Wenn der Bewuchs sehr stark war ?


    Eisenhut:
    Giftigkeit : sehr giftig

    Standort/Verbreitung:
    Alpen, Mittelgebirge Europas, an feuchten Stellen, auf überdüngtem Boden, an Wegen und Bachufern; vielfach in Gärten angepflanzt.

    Typische Merkmale:
    0,5-1,5 m hohe, ausdauernd-krautige Pflanze mit knollig-verdickten, fleischigen Wurzeln und aufrechtem, nacktem und kräftigem Stengel.
    Blätter 5-7teilig, tief eingeschnitten, dunkelgrün, nach oben zu kleiner werdend.
    Blüten (Juni bis August) in dichten Trauben;violett-blau, das oberste Perigonblatt helmförmig; VI-VIII.
    Früchte: Balgkapseln mit glänzend-schwarzen,dreikantigen, an den Kanten geflügelten Samen.

    Giftige Pflanzenteile:
    Alle Pflanzenteile

    Giftig durch:
    Diterpen- und Esteralkaloide

    Kritische Dosis:
    Sehr giftig, schon bei Einnahme weniger Gramm Pflanzenmaterial sind lebensbedrohliche Symptome zu erwarten. Mit Blüten spielende Kinder sind bereits gefährdet (Giftaufnahme über intakte Haut und Schleimhaut!!!)

    Mögliche Symptome:
    Einsetzen nach 10-20 min.: Brennen und Kribbeln im Mund, anschließend Ausbreitung über die ganze Haut bis zur völligen Gefühllosigkeit, schweres Erbrechen, kolikartiger Durchfall, Sehstörungen, Lähmung der Muskulatur, starke Schmerzen, Wesensveränderungen, Kollaps, Herzrhythmusstörungen, Atemlähmung.
    In der Literatur wurden Todesfälle beschrieben.

    Erste Hilfe:
    Schon bei Verdacht sofort die nächste (Kinder-) Klinik aufsuchen.
    *Gut Fund*
    Lothar

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  5. #5
    Stammuser
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    Hallo Lothar,

    vielen Dank für die umfangreiche Beschreibung. Sicher, möglich ist diese Art der Namensgebung schon.

    Zumal sich der Standort mit deiner Beschreibung deckt.

    Schade, dass die Blütezeit vorbei ist. Das hätte mir das Erkennen erleichtert.

    Hast du vielleicht ein Bild der Pflanze bzw. der Blätter zur Hand?

    Sollte ich diesen Ort aufsuchen, kann ich ja mal berichten, ob ich dieses Teufelskraut dort gesehen habe.

    Viele Grüße
    Rabbit

  6. #6
    Stammuser Avatar von Lothar_Hamburg
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    Aconitum napellus L.



    Namen: Blauer Eisenhut, Echter Eisenhut, Echter Sturmhut, Fischerkappe, Fuchswurzel, Giftheil, Kappenblume, Mönchskappe, Reiterkappe, Würgling, Ziegentod.

    Historie: Aconitum napellus ist die giftigste Pflanze Europas. Nur Aconitum ferox, der in Asien heimisch ist, übertrifft den blauen Eisenhut in seiner Giftigkeit. Früher traten öfters Vergiftungen durch eine Verwechslung der Knolle mit Sellerie- und Merrettichwurzeln auf. Die Blätter wurden und werden oft als Salat verarbeitet und führen so zu Vergiftungen.

    Beschreibung: Die krautige ausdauernde Pflanze entsteht aus einer rübenartigen Wurzel, die als Pfahlwurzel ausläuft, und erreicht eine Höhe von 50 – 150 cm. Die Stengel sind einfach, aufrecht und haben nur wenige Verästelungen. An ihnen befinden sich die dunkelgrünen Blätter, die handförmig gefingert und 5 – 7fach geteilt sind. Die oberen Blätter werden kleiner und einfacher in der Aufteilung. Die dunkelblauen bis dunkelvioletten helmförmigen Blüten stehen in vielblütigen endständigen Trauben. Die Blütezeit ist von Juni bis September. In einer Balgkapsel entwickeln sich die drei- bis sechskantigen Samen.

    Vorkommen: Die Heimat der unter Naturschutz stehenden Pflanze sind die Alpen und die Mittelgebirge Europas. Dort tritt er vor allem in Gebirgswäldern, an Bachufern, an feuchten Wiesen und an schattigen Plätzen auf. Sie ist auch eine beliebte Gartenzierpflanze.

    Weitere Eisenhut-Arten:


    Aconitum moldavicum Aconitum septentrionale

    Wirkstoffe: Der blaue Eisenhut enthält eine hohe Anzahl von Alkaloiden, wobei das wichtigste Alkaloid das Aconitin ist. Der Gehalt von Aconitin liegt in der Knolle bei 0,3 - 2 % und im Blatt bei 0,2 - 1,2 %. In der Blütezeit ist der Gehalt von Aconitin am geringsten und im Winter in der Knolle am höchsten. Zusätzlich sind in der Pflanze Spartein, Gerbstoffe und weitere Alkamine zu finden. Die letale Dosis für reines Aconitin beträgt 3 - 6 mg für den Erwachsenen. 2 - 4 g der Wurzel gelten für einen Erwachsenen als tödlich.




    hier gibt es noch weitere Eisenhut-Arten und Bilder:

    http://www.botanikus.de/Gift/Eisen.html
    *Gut Fund*
    Lothar

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  7. #7
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    Hallo Lothar,

    vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Die Links habe ich mir sorgfältig angeschaut. Bisher habe ich den Pflanzen, denen ich auf meinen Streifzügen begegnet bin, keine Bedeutung beigemessen. Dennoch glaube ich, zumindest ähnliche Pflanzen schon gesehen zu haben.

    Es ist schon interessant zu wissen, dass hier eine derart hochgiftige Pflanze wächst. Hinrichtungen, Mordanschläge, Wolfsfallen, Hautgängigkeit...klingt aufregend.

    Falls ich diesen Ort aufsuche, werde ich werde versuchen dort nichts anzufassen.

    Viele Grüße
    Rabbit

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