Dass die Terror-Piloten von New York und Washington zuvor in Florida eine Pilotenausbildung gemacht haben, ist so gut wie sicher. Nun haben die Ermittler offenbar neue erschreckende Erkenntnisse über die Attentäter. Sie sollen möglicherweise einen Chemikalien-Anschlag geplant haben.

Washington - Die Terroristen sollen sich in Florida für Flugzeuge interessiert haben, die Chemikalien versprühen können. Wie die "Washington Post" berichtet, identifizierte ein Flughafen-Mitarbeiter in Belle Glade den mutmaßlichen Attentäter Mohammed Atta.
Atta und zwei, drei andere Besucher hätten sich erkundigt, wie viel Kerosin das Flugzeug im Tank habe, wie viel Chemikalien es zuladen und wie weit es fliegen könne, sagte der Flughafen-Mitarbeiter James Lester dem FBI der Zeitung zufolge. Auch der Manager eines Unternehmens, das Agrareinsätze fliegt, berichtete über "arabisch aussehende" Besucher. In den sechs bis acht Wochen vor dem Anschlag seien die Männer praktisch jedes Wochenende gekommen. Atta gilt als mutmaßlicher Attentäter der Anschläge vom 11. September. Er lebte jahrelang als Student der Technischen Universität in Hamburg-Harburg.

Nach Angaben der Zeitschrift "Time" war bei einer Hausdurchsuchung in Minnesota bei einem mutmaßlichen Terroristen-Helfer eine Anleitung für den Einsatz solcher Flugzeuge gefunden worden. Das FBI hatte bereits vergangene Woche in Boston einen Bekannten der Entführer festgenommen, der zuvor eine Lizenz für den Transport gefährlicher Stoffe erworben hatte.

Flugverbote aus Angst vor neuen Anschlägen

Wie die "Washington Post" weiter berichtet, wurden aus Furcht vor Anschlägen mit chemischen oder biologischen Waffen am Sonntag landwirtschaftliche Flüge in den USA verboten, bei denen die Felder aus der Luft mit Pflanzenschutzmitteln besprüht werden. Der Geheimdienst habe die Maßnahme empfohlen, erklärte Scott Brenner, Sprecher der Bundesluftfahrtbehörde FAA. Die Bundespolizei FBI sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. Das Flugverbot galt den Angaben zufolge für den gesamten Sonntag.

Es war das zweite Mal nach den Anschlägen, dass die US-Regierung ein solches Verbot erlassen hat. Die Sprühflüge waren bereits am 16. September eingestellt worden, außerdem ist ein Überfliegen von Ballungsräumen weitgehend untersagt worden.

Die Flugzeuge werden normalerweise im Kampf gegen Insekten eingesetzt und versprühen Pestizide gegen Schädlinge über Feldern und Sumpfgebieten. In den USA gibt es rund 4000 solcher Maschinen, die bis zu 3000 Liter Chemikalien fassen können.

Warnung an Transport-Industrie

Warnungen gaben die FBI-Ermitter auch an die Transportindustrie aus. Die Beschäftigten sollten auf verdächtige Aktivitäten achten, die im Zusammenhang mit dem Transport chemischer, radioaktiver, biologischer oder anderer gefährlicher Materialien stehen. Das FBI habe "Informationen über zahlreiche Drohungen von Terroristen erhalten", die den Gebrauch dieser Stoffe oder die Anwendung von Massenvernichtungswaffen betreffen, so die Warnung der Amerikanischen Transport-Vereinigung.

Politiker und Wissenschaftler hatten vergangene Woche ihre Sorge über die Gefahr eines Anschlags mit chemischen oder Bio-Waffen geäußert. Das Land sei dagegen nicht ausreichend geschützt. Auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies auf die Bedrohung durch chemische und biologische Waffen hin. Einige Länder, die Terroristen unterstützen, verfügten auch über solche Waffen, sagte er dem Sender CBC.