Der mutmaßliche Terroristenführer Osama Bin Laden hat Pakistan angeblich dazu aufgerufen, sich einem Kampf gegen den "großen Kreuzritter George Bush" anzuschließen. Die Afghanen seien ohnehin dazu bereit. Bush hatte zuvor angeordnet, die Vermögenswerte Bin Ladens in den USA einzufrieren.
Washington/Doha - Bin Laden soll die Moslems in Pakistan zum Heiligen Krieg (Dschihad) aufgerufen haben. Der arabische Fernsehsender "Al-Dschasira" in Katar berichtete, der von den USA gesuchte saudi-arabische Extremist habe in einem dem Sender vorliegenden Brief erklärt: "Wir stehen auf sicheren Beinen". Das afghanische Volk sei bereit, gegen die USA zu kämpfen. Auch Pakistan solle sich dem Kampf gegen den "großen Kreuzritter George Bush" anschließen.
Gleichzeitig bedauere Bin Laden in dem Brief, dass es in Pakistan bei Zusammenstößen zwischen protestierenden Moslems und Sicherheitskräften Opfer gegeben habe. Dem TV-Sender lagen nach eigenen Angaben keine gesicherten Erkenntnisse über den Aufenthaltsort Bin Ladens vor.
Bush habe eine entsprechende Anordnung unterschrieben, die auch für dessen Organisation al-Qaida gelte, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Nach Informationen aus US-Regierungskreisen hat Bush in der Anweisung auch alle Geschäfte mit Personen oder Gruppen verboten, die Beziehungen zu mutmaßlichen Terroristen haben.
Betroffen sind von Bushs Anordnung insgesamt 27 Personen, Organisationen und Firmen. Darüber hinaus wird jede ausländische Regierung oder Bank, die mit den Terroristen Geschäfte macht, mit der Beschlagnahme ihrer Guthaben in den USA bedroht.
"Wir schlagen gegen die finanziellen Grundlagen des terroristischen Netzwerks los", sagte Bush vor der Presse im Rosengarten des Weißen Hauses. Doch auch die militärischen Vorbereitungen seien nicht ohne Grund erfolgt, warnte er. Unter den 27 von der Finanzblockade Betroffenen befinden sich nach Angaben von Bush auch drei wohltätige Organisationen.
Direkter Zugriff nur begrenzt möglich
Bush gab zu, dass sich die fraglichen Guthaben hauptsächlich in Übersee befänden und der direkte Zugriff daher begrenzt sei. Er gab jedoch ebenso wie US-Finanzminister Paul O'Neill zu verstehen, dass den ausländischen Finanzhelfern des Terrorismus "drakonische Maßnahmen" drohten. Wer Guthaben nicht einfriere, müsse mit der Beschlagnahme eigener Werte und einem Geschäftsverbot in den USA rechnen. "Wer mit den Terroristen Geschäfte macht, macht keine Geschäfte mit den Vereinigten Staaten", drohte Bush. Darüber werde von Fall zu Fall "in verantwortlicher Weise" entschieden.
Der Präsident kündigte an, dass ein besonderes Zentrum zum Aufspüren terroristischer Guthaben eingerichtet werde. Mit den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und den sieben wichtigsten Industriestaaten (G-7) würden Konsultationen über eine Kooperation und einen Informationsaustausch fortgesetzt. Bush forderte außerdem den amerikanischen Senat auf, zwei gegen die Finanzbasis der Terroristen gerichtete internationale Konventionen möglichst schnell zu ratifizieren.
Die Anordnung von Bush geht erheblich über ein Dekret hinaus, das der damalige US-Präsident Bill Clinton nach den Anschlägen auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 erlassen hatte. Damals waren nur Guthaben einzelner mutmaßlicher Terroristen betroffen. Die Anordnung war überwiegend von symbolischem Wert.
Powell will Beweise vorlegen
US-Außenminister Colin Powell will schon bald Unterlagen vorlegen, die die Verstrickung von Bin Laden in die Terroranschläge beweisen sollen. "Ich denke, dass wir in naher Zukunft ein Papier, ein Dokument vorlegen können, das recht klar die Beweise für seine Verbindung zu den Anschlägen zeigt."
Schon am Sonntag hatte Powell im Gegenzug für die pakistanische Unterstützung Beweise für Bin Ladens Schuld angekündigt. Bereits vor den Anschlägen in New York und Washington hätten genügend Beweise für eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgelegen, sagte der US-Außenminister in einem Interview mit der britischen BBC.
Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar hat unterdessen die USA gewarnt, dass ein Angriff auf Afghanistan den Terrorismus nicht beenden werde. Bin Laden oder Omar selbst zu töten werde die Probleme nicht lösen, hieß es in einer Erklärung der Taliban-Führung. Omar forderte, die USA müssten ihre Truppen aus der Golfregion abziehen, im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern neutral sein und dürften sich nicht in islamische Prinzipien einmischen.





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