Die amerikanischen Streitkräfte machen mobil. Der Gürtel der US-Luftwaffe um Afghanistan zieht sich enger. Dennoch wollen die Taliban offenbar nicht auf die Auslieferungsforderungen der Vereinigten Staaten eingehen.
Washington - Die Taliban-Regierung in Afghanistan bekräftigte heute noch einmal ihre Weigerung, den angeblichen Hintermann der Anschläge in den USA, Osama bin Laden, ohne Beweise für seine Schuld auszuliefern. Das berichtete die Nachrichtenagentur AIP.
"Wie bleiben bei unserer Entscheidung. Die amerikanischen Forderungen sind nicht im Sinne der Moslems und der Afghanen, und wir sind nicht bereit dies zu akzeptieren", zitierte AIP den Sprecher der radikal-islamischen Taliban, Abdul Hai Mutamaen.
US-Präsident George W. Bush unternahm am Samstag mehrere Schritte, um die Krise zu bewältigen, die die Kamikaze-Angriffe mit gekaperten Flugzeugen am 11. September ausgelöst haben. Er gab mit seiner Unterschrift Finanzhilfen für die amerikanischen Fluggesellschaften im Umfang von 15 Milliarden Dollar frei und hob die Sanktionen gegen Pakistan und Indien auf. Einigen Fluggesellschaften droht wegen der Erhöhung der Versicherungsprämien und Einbußen beim Passagieraufkommen der Bankrott.
Derweil konzentrierten die USA im Golf und im Indischen Ozean ihre militärischen Kräfte in einem Maße, wie sie es zuletzt vor und während des Golf-Krieges vor elf Jahren getan hatten. Aus dem Verteidigungsministerium verlautete am Samstag, weitere Flugzeuge, darunter Tankflugzeuge, bewegten sich auf ein Gebiet in Reichweite Afghanistans zu. Sie schließen sich einer Flotte von fast 350 Flugzeugen an, die in der Region bereits an Land und auf zwei Flugzeugträgern stationiert sind. In Japan liefen das Landungsschiff "Essex" und der Flugzeugträger "Kitty Hawk" mit etwa 70 Maschinen aus.
Am Samstag telefonierte Bush 45 Minuten lang mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der hatte dem US-Präsidenten bereits vorher versprochen, den USA nicht in den Arm zu fallen, und keine Einwände zu erheben gegen eine eventuelle Nutzung der Staaten zwischen Russland und Afghanistan als Aufmarschgebiete.
Verzögert Saudi-Arabien den Einsatz?
Die "Washington Post" berichtete am Samstag unter Berufung auf Angaben aus dem Verteidigungsministerium, Saudi-Arabien weigere sich, Stützpunkte für Auslandseinsätze benutzen zu lassen. Im konkreten Fall gehe es um den Stützpunkt "Prinz Sultan", der als Einsatzzentrale vorgesehen gewesen sei. Die Militärplaner müssten nun in ein anderes Land ausweichen, was eventuelle Luftangriffe um Wochen verzögern könnte. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte lediglich, die USA seien mit der militärischen Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien zufrieden.
Saudi-Arabien gehörte 1991 zu den wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf um die Befreiung Kuwaits von irakischer Besatzung. Das Königreich ist zudem eines der wenigen Länder, die die Regierung der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan anerkennen. Die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihre Anerkennung inzwischen zurück. Damit blieben nur Saudi-Arabien und Pakistan. Die Emirate reagierten auf die Weigerung der Taliban am Freitag, Bin Laden auszuliefern.
In Lüttich vereinbarten die Finanzminister der EU-Staaten, die Ratifizierung einer bereits vorliegenden Uno-Resolution zu beschleunigen, die die Beschlagnahmung des Auslandsvermögens der Taliban-Regierung vorsieht. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, kündigte die Untersuchung von Berichten an, die Anschlagsplaner hätten die Kurse der Aktien von Fluggesellschaften und Versicherungen manipuliert und davon profitiert. Es gebe auch Hinweise auf verdächtiges Verhalten im Gold- und Ölhandel, sagte er.





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