Das afghanische Taliban-Regime stellt sich stur: Die obersten Führer stellten am Morgen klar, dass sie den Terroristenführer Osama Bin Laden ohne Beweise für seine Beteiligung an den Anschlägen nicht an die USA ausliefern werden.

Islamabad/Washington/Kairo - Es sei nicht möglich, Bin Laden auszuliefern, sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abd al-Salim Saif. Eine Auslieferung würde nach seinen Worten "den Islam beleidigen". Zudem würde jeder, der Informationen an Amerika liefere, als Mörder angesehen.
Weiter forderten die Taliban in der Pressekonferenz, die teilweise einen chaotischen Verlauf nahm, eine Untersuchuchung der Anschläge durch die UN. Informationen über den derzeitigen Aufenthaltsort Bin Ladens hätten sie nicht.

US-Präsident George W. Bush hatte in einer Rede vor dem US-Kongress in der Nacht zuvor gefordert, die Taliban müssten Bin Laden und seine Helfer ausliefern. Sonst würden sie das Schicksal der Terroristen teilen. Der US-Präsident hatte ferner an die Welt appelliert, im Kampf gegen den Terrorismus klar Stellung zu beziehen.

Über den Aufenthaltsort des von den USA als Terrorist gesuchten Fundamentalistenführers Osama Bin Laden gibt es widersprüchliche Berichte. Während eine pakistanische Zeitung am Freitag meldete, Bin Laden habe Afghanistan verlassen, verlautete aus dem Umkreis des Moslem-Extremisten, er halte sich weiterhin dort auf. Bin Laden sei weiter in Afghanistan, betonte der Führer einer Koranschule in Pakistan, Hamid Hakkani. "Dies ist der Moment, auf den er gewartet hat. Seine Gebete werden wahr." An Hakkanis Koranschule waren zahlreiche Taliban-Führer ausgebildet worden.

Die Zeitung "The News" meldete dagegen, der aus Saudi-Arabien stammende Multimillionär habe das Land bereits am Montag noch vor den Beratungen der afghanischen Geistlichen über seine Auslieferung verlassen.

Arabische Liga schließt Schulterschluss mit den USA aus

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, hat unterdessen eine arabische Beteiligung an der von den USA geforderten internationalen Antiterror-Allianz ausgeschlossen, wenn Israel beteiligt wird. Israel töte Menschen, und wer eine solche Politik betreibe, könne nicht den Terrorismus bekämpfen, sagte Mussa in einem Fernsehinterview.

Auf die Frage nach einer arabischen Unterstützung der USA wie im Golfkrieg gegen den Irak sagte Mussa, die Zeiten hätten sich geändert. Damals hätten die USA den arabischen Staaten als Gegenleistung eine Lösung des Palästina-Konflikts versprochen. Versprechungen reichten heute nicht mehr aus. Nun seien bindende Vereinbarungen notwendig, unter anderem über die Schaffung eines palästinensischen Staates, betonte Mussa.