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Thema: Ruine Mühlburg

  1. #1
    Avatar von ssch
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    Standard Ruine Mühlburg

    Im Nachbarthread "Anschlussgleis vom Bahnhof Ohrdruf zum Tüp" meinte der Kollege Burg im Beitrag #174, die Ruine Mühlburg sei ein Geschenk des Staatsrates Dr. Mühlberg aus Ohrdruf, dem Besitzer der Villa Mühlberg und der Farbenfabrik, an A. Hitler gewesen:

    Zitat Zitat von Burg Beitrag anzeigen
    Der Herr Dr. Mühlberg hatte, nachdem er etwa 10 Jahre lang Besitzer der Ruine Mühlburg bei Mühlberg war, diese Burg seinem Führer im August 1934 zum Geschenk gemacht. Saukel 1935 in einem Brief an Hitler: "Sie sind, wie mir der Reichsschatzmeister Pg. Schwarz mir mitteilte, Besitzer der Ruine "Mühlberg" bei Arnstadt geworden. Wir Thüringer freuen uns darüber außerordentlich."
    -----usw,usw.

    Quelle: "Die Rückseite des Hakenkreuzes" Deutscher Taschenbuch Verlag 1993
    Zur Untermauerung dieser Behauptung wird dann im Beitrag #347 sogar die Signatur einer Akte aus dem Bundesarchiv genannt.

    Dazu lassen sich einige Feststellungen treffen:

    • In dem Buch "Die Rückseite des Hakenkreuzes. Absonderliches aus den Akten des 'Dritten Reiches'" von Helmut und Beatrice Heiber ist nicht von einem Dr. Mühlberg sondern nur von einem Herrn Mühlberg die Rede.
    • Die von Burg angegebene Signatur ist leider falsch. Richtig lautet sie BArch R43II/982; R43 ist der Bestand "Reichskanzlei".
    • Die Akte R43II/982 ist der Band 3 der "Akten betreffend Benennung von Straße, Plätzen, Bäumen usw. nach dem Namen des Reichskanzlers, sowie Geschenke u. Widmungen an den Reichskanzler" und läuft von Januar bis Dezember 1935. Dort findet sich allerdings auch nur der Name Mühlberg, keine weiteren Hinweise.


    So weit, so fruchtlos. Entscheidend für die weitere Recherche ist die Bleistiftnotiz des Sachbearbeiters auf dem Sauckel-Schreiben vom 2. Dezember 1935. Sie enthält ein Aktenzeichen, das einen mit Hilfe des Findbuchs zu einer anderen Akte führt. Dort gibt es eine Büro-Anfrage, aus der hervorgeht, dass die Reichskanzlei die Angelegenheit "Ruine Mühlberg" an die Privatkanzlei Adolf Hitler in der Parteikanzlei abgegeben hat. Unter der Tagebuchnummer "Rk. 6890/34" heißt es:

    Zitat Zitat von Rk. 6890/34 vom 1. August 1934
    An
    die Kanzlei Adolf Hitler

    zur gefälligen Feststellung, ob dort ein Schreiben des J. Mühlberg in Dresden-Loschwitz, Schevestr. 3, nachweisbar ist. Nach einer hier vorliegenden Abschrift handelt es sich vermutlich um ein Schreiben vom 1. Febraur 1934, in dem Mühlberg dem Herrn Reichskanzler die Burgruine "Mühlburg" als Geschenk anbietet. Mühlberg will diesem Schreiben ein Bild von der Burgruine beigefügt haben. Es wird um eine Mitteilung auch darüber ersucht, ob das Bild dort zu ermitteln ist. (...)
    Die Parteikanzlei antwortete:

    Zitat Zitat von Antwort der Parteikanzlei vom 6. August 1934
    Vorgang wird hier bearbeitet, Mühlberg hat in den letzten Tagen Bescheid erhalten, dass sein Geschenk für die Bewegung angenommen worden ist. Ich bitte um Überlassung des dort befindlichen Briefes.
    Der Sachbearbeiter in der Reichskanzlei hat laut Aktennotiz daraufhin den Schriftwechsel am 8. August 1934 an die Parteikanzlei abgegeben. Die Akten der "Kanzlei des Führers der NSDAP (Dienststelle Bouhler)" (BArch NS51), speziell des zuständigen Hauptamtes I, sind leider lückenhaft. Dort ist der Vorgang nicht mehr nachweisbar.

    Mithilfe zeitgenössischer Dresdner Adressbücher lässt sich die Angabe "J. Mühlberg" sicherlich konkretisieren. Auf jeden Fall kann man die sichere Aussage treffen, dass die Burgruine nicht das Geschenk des Staatsrats Dr. Mühlberg aus Ohrdruf, sondern eines J. Mühlberg aus Dresden-Loschwitz war. Da wollte uns also mal wieder jemand was vom Pferd erzählen.

    Viele Grüße
    Sebastian
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    Geändert von ssch (28-04-2008 um 10:33 Uhr)

  2. Dateityp: jpg Mühlberg.jpg (93,9 KB, 156x aufgerufen)
  3. #2
    Avatar von hebbel
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    Standard AW: Ruine Mühlburg

    Wer suchen möchte: Schevenstraße
    Leider nicht zeitgenössisch, sondern aktuell: Herr Manfred Mühlberg, Grundstücksverwaltung, Schevenstr. 3, 01326 Dresden (Loschwitz). (Ich denke mir nichts dabei.)

    Gruß
    Dieter

  4. #3
    Avatar von ssch
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    Standard Re: Ruine Mühlburg

    Ups. Du hast natürlich Recht: Schevenstraße.

    Viele Grüße
    Sebastian

  5. #4
    Avatar von ssch
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    Standard Re: Ruine Mühlburg

    Zitat Zitat von ssch Beitrag anzeigen
    Die Akten der "Kanzlei des Führers der NSDAP (Dienststelle Bouhler)" (BArch NS51), speziell des zuständigen Hauptamtes I, sind leider lückenhaft. Dort ist der Vorgang nicht mehr nachweisbar.
    Im letzten Jahr ist übrigens das Buch Henrik Eberle (Hrsg.), Briefe an Hitler. Ein Volk schreibt seinem Führer erschienen. Die dort vorgestellten Dokumente stammen ursprünglich aus der Privatkanzlei Adolf Hitler in der Parteikanzlei und wurden in einem Moskauer Archiv wiedergefunden. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, laut Register wird die Mühlburg-Ruinen-Sache dort jedoch nicht erwähnt. Mit den (selbstverständlich vorhandenen) Quellenangaben hätte man einen guten Anknüpfungspunkt für eigene Recherchen. Ich denke, die Chancen stehen gar nicht so schlecht.

    Viele Grüße
    Sebastian

  6. #5
    Avatar von kps
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    Standard AW: Ruine Mühlburg

    Prima - endlich Hacken dran und Deckel drauf.

    MfG
    kps
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  7. #6
    Avatar von Hülse
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    Standard AW: Ruine Mühlburg

    Zitat Zitat von ssch Beitrag anzeigen
    [list][*]In dem Buch "Die Rückseite des Hakenkreuzes.....
    Moin,
    kann mir bitte jemand ein paar Worte zum Inhalt des o.g. Buches sagen ? Um was geht´s darin konkret?

    Gruß
    SL

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