Bensberg im Zinkfieber

Von Gisbert Franken

gf Bergisch Gladbach. Der "Zinkrausch" des 19. Jahrhunderts, der das Bensberger Erzrevier mit über 40 Gruben zur Blüte trieb, ist verflogen. Die Fördertürme sind verschwunden, die Schlote der Maschinenhäuser abgebrochen, die Halden begrünt.

Doch der Kundige fällt in Hardt und Königsforst, im Strunde- oder im Vollbach fast auf Schritt und Tritt über die Spuren dieser Epoche. Die Heimatforscher Herbert Stahl und Gerhard Geurts wollen Aufstieg und Niedergang der bergischen Montanindustrie jetzt erstmals in einem Buch aufarbeiten.

Der Abraum barg noch viele Schätze

Stahls Interesse am Bergbau ist ganz persönlicher Natur: 1936 wurde er im alten Steigerhaus der Grube Weiß bei Moitzfeld als Sohn des Westerwälder Bergmanns Anton Stahl geboren.

Damals war der Untertagebetrieb auf der im Volksmund "Raavesack" genannten Zeche zwar schon seit sechs Jahren eingestellt, doch die Abraumhalden bargen noch jede Menge Erzreste, die mit Hilfe des neuen Flotationsverfahrens wirtschaftlich gewinnbringend verwertet werden konnten. Dieser Sekundär-Bergbau überstand den zweiten Weltkrieg und wurde erst 1957 beendet.

Für jemanden, der das Zink also quasi im Blut hat, sollte es doch ein Kinderspiel sein, die Geschichte des hiesigen Bergbaus eben aufzuschreiben - dachte Stahl. Schließlich war ja praktisch alles Wichtige schon gesagt, und - verteilt über einen Handvoll Aufsätze und Broschüren - veröffentlicht. Das musste nur zusammengetragen werden. Die Akten seien alle im vergangenen Krieg verbrannt, war die allgemeine Meinung. Weiteres Forschen erübrige sich also.

Doch bald merkten Stahl und der als Ko-Autor gewonnene pensionierte Berufsschullehrer Gerhard Geurts, dass die Geschichte komplizierter, die überlieferte Faktenlage keineswegs zuverlässig, das Ende der Forschung keineswegs erreicht war: Die angeblich verbrannten Aktenbestände schlummerten im Bochumer Bergbaumuseum und im Keller des Bergamtes Düren.

Während Namen wie Lüderich, Weiß, Apfel und Berzelius wenigstens als Orts- oder Straßennamen überlebten, sind die meisten Gruben vergessen und verweht: Wo öffneten sich die Schächte von Galilei und Fixstern, von Tetzel, Franklin, Bleistift, Cäsar und Idazeche?

Bisweilen öffnen sie sich unerwartet: Am 2. Juni 1997 gab plötzlich bei Erschließungsarbeiten im Bereich des B-Plans "Im Luchsfeld" in Lückerath das Erdreich nach. Vor den überraschten Bauarbeitern klaffte ein enger Gang. Die Fantasie der Bevölkerung wurde hochgradig angeregt: Von einem Geheimgang, der in den Kellergewölben des Bensberger Schlosses münde, wurde gemunkelt, während die Verwaltung auf den Begriff "Entwässerungsstollen" zurückgriff.

Doch Stahl weiß es inzwischen besser: "Am 3. Februar 1846 erhielt der Posthalter Peter Vierkötter aus Bensberg auf sein Verlangen einen Schürfschein, um am Hungenberg auf Kupfer, Blei und Blende schürfen zu dürfen..." So steht es im Zechenbuch der Grube "Fortuna", das Stahl und Geurts in Bochum ausgruben. B

ereits 1848 wurde die Grube wegen mangelnder Rentablität stillgelegt. Die Bergrechte fielen an die Grube Blücher in der Hardt. Stahl: "Bei den Erschließungsarbeiten wurde eine der beiden Schachtanlagen mit Stollen angeschnitten. Er lag im Bereich des Wendehammers der Straße ,Am Zubusch'".

Der Schacht war verbunden mit einem Stollen, der ein Mundloch Richtung Milchbornbach hatte, und einem Querschlag, der im Gebirge endete." Der Lückerather Stollen war ausweichlich der Protokolle wegen "Mangels an Wettern" angelegt worden, also zur Verbesserung der Belüftung.

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