Dow Jones bricht ein
Die New Yorker Börse hat am Montag nach einem zweiminütigen Gedenken für die Opfer des Terroranschlags den Handel wieder aufgenommen. Der Dow Jones verlor zeitweise mehr als sechs Prozent
New York - Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte notierte kurz nach der Eröffnung bei 9474 Zählern und damit um 1,4 Prozent unter dem Schlussstand vom Montag vergangener Woche. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index sank um sechs Prozent auf 1588 Punkte. Kurz vor Beginn des Handels hatte die US-Notenbank Fed die Leitzinsen überraschend um 50 Basispunkte gesenkt, um damit die US-Konjunktur angesichts der befürchteten wirtschaftlichen Auswirkungen der Terroranschläge zu stützen. Die Nasdaq eröffnete mit einem Minus von 6,1 bei 1591 Punkten und pendelte danach um ein Minus von knapp sechs Prozent. Der Dow Jones stand eine halbe Stunde nach Eröffnung bei minus 5,6 Prozent bei 9069 Punkten. Nachdem das Minus beim US-Leitindex die 210-Punkte-Marke erreicht hatte, wurden die Handelsbeschränkungen entsprechend der "Uptick-Rule" ausgelöst. Damit bleibt der Programmhandel auf die im S&P-500-Index enthaltenen Aktien so lange unterbunden, bis der Verlust auf die Hälfte des Schwellenwertes eingegrenzt ist.
Die Kurse von Reiseveranstaltern und Airlines verzeichneten herbe Verluste. So fiel das Papier die Muttergesellschaft von American Airlines, AMR, um 42 Prozent auf 17,20 Dollar. Die Aktien UAL Corp., zu der United Airlines gehören, gaben rund 44 Prozent ab. Delta Airlines verloren rund 46 Prozent. An der Nasdaq brach der Kurs der Intenet-Reiseagentur travelocity.com um 47 Prozent ein, der Rivale expedia gab um 28 Prozent nach.
Vor Handelsbeginn appellierte die New York Stock Exchange (NYSE) an den Patriotismus der Broker. Börsenchef Richard Grasso pries den unermütlichen Einsatz der Katastrophenhelfer nach den Terroranschlägen. Feuerwehrmänner und Polizisten standen auf dem Balkon und läuteten die Glocke. Nach zwei Schweigeminuten wurde die amerikanischen Hymne gesungen, die Händler legten sich die Hand aufs Herz.
Auf dem Parkett versammelte sich die politische Prominenz und lächelte mit erhobenen Daumen in die Kameras. Hillary Clinton, die Senatorin von New York, sagte, dass "unsere Wirtschaft heute genauso stark ist, wie sie es vor dem Anschlag war". Sie rief die Händler und auch die Verbraucher dazu auf, weiter zu kaufen und zu konsumieren, um die Wirtschaft zu stützen. "Wir werden es schaffen", sagte Clinton und blickte immer wieder nervös zur Anzeigentafel, wo der Kurs bereits zu fallen begann.
Finanzminister Paul O'Neill war sich sicher, dass "wir schon bald wieder neue Rekordwerte erreichen". Doch das wird womöglich noch dauern. Noch während O'Neill sprach, verlor der Dow mehr als ein Prozent.
Die Wiedereröffnung der US-Börsen war am Montag weltweit mit Spannung erwartet worden. Der Handel war seit den Anschlägen vom vergangenen Dienstag ausgesetzt, die längste Periode seit dem Ersten Weltkrieg. Nicht einmal nach dem "Schwarzen Freitag", der 1929 die Weltwirtschaftskrise auslöste, war so lange Zeit der Handel an der Wall Street unterbrochen worden. Um einen Einbruch der Kurse zu verhindern, hat die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC Sonderregeln eingeführt. So dürfen Unternehmen unter erleichterten Bedingungen eigene Aktien zurückkaufen, um den Kurs ihrer Papiere zu stützen.





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