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Thema: Todespilot Mohamed El-Amir

  1. #1
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    Exclamation Todespilot Mohamed El-Amir

    Der Todespilot Mohamed El-Amir alias Mohammed Atta war ein liebenswerter Musterstudent an der TU Hamburg-Harburg. Er betätigte sich in der "Islam AG", schrieb seine Diplomarbeit über die Sanierung der syrischen Stadt Aleppo und hinterließ einen Gästebucheintrag auf einer französisch-syrischen Website.
    Die Technische Universität Hamburg-Harburg ist eine Vorzeige-Hochschule. Der Campus ist großzügig, grüne Wiesen, hochmoderne Gebäude. Zwischen den Vorlesungen und Klausuren sitzen die Studenten im Freien und genießen die Sonne. 20 Prozent von ihnen sind Ausländer - darauf war die Hochschule immer besonders stolz.
    Mittwochnacht war es vorbei mit der Idylle. Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) rückten an. Die Ermittler sammelten alle Unterlagen ein, die auch nur im Entferntesten mit den beiden arabischen Studenten Mohammed Atta und Marwan al-Schahi zu tun hatten. Die beiden, so erklärten die Ermittler, sollen zu den Terroristen gehören, die die Anschläge in den USA verübten.

    Ansprechpartner der Islam AG

    Einer von ihnen, der 33 Jahre alte Mohammed Atta, an der Uni bekannt als Mohamed El-Amir, studierte von 1992 bis Mai 1999 Stadtplanung an der TU. Danach belegte er noch das Aufbaustudium "Wissenschaftliche Weiterbildung". Außerdem engagierte er sich in der so genannten Islam AG, einer Arbeitsgruppe, die der Studentenvertretung Asta zugeordnet ist. Noch heute wird er im Vorlesungsverzeichnis als deren Ansprechpartner geführt.

    Professor Dittmar Machule, Dekan der TU, mag es einfach nicht glauben. Für ihn war El-Amir bislang ein guter Student und ein "liebenswerter Mensch". Für das FBI und die deutschen Ermittlungsbehörden dagegen ist er einer der Hauptverdächtigen: Er soll eine der entführten Maschinen in den World Trade Center gesteuert haben.

    Acht Jahre hatte El-Amir an der TU studiert und sein Diplom in Stadtplanung gemacht. Er lebte nicht zurückgezogen, sondern war ein engagierter Student. Er habe sich in den Seminaren und Vorlesungen regelmäßig beteiligt, sei am Institut beliebt gewesen, so der Professor, und habe sich an aufwändige Studienprojekte gewagt. Machule betreute El-Amirs Diplomarbeit, sprach und diskutierte regelmäßig mit ihm.

    Irgendwelche Anzeichen, die auf eine radikale Gesinnung El-Amirs hindeuteten habe es nicht gegeben. "Das muss ein religiöses Black-Out gewesen sein", meint der Professor hilflos. Oder ein "völliges Umdrehen des Gehirns". Oder eine dunkle Seite von der niemand etwas geahnt habe.

    Zwar sei er sehr fromm gewesen, habe regelmäßig gebetet und gefastet, aber nicht fanatisch - im Gegenteil. "Er war ein kritischer Geist, immer überlegt argumentierend", sagt Machule. Er habe sich sogar für das Zusammenleben der Religionen ausgesprochen. Das Stadtviertel in der syrischen Stadt Aleppo, über das er seine Diplomarbeit schrieb, sei ein Bespiel für das gelungene Zusammenleben von Juden, Christen und verschiedenen Moslemgruppen gewesen.

    Für seine Diplomarbeit suchte der Student offenbar Hilfe auf der französisch-syrischen Website Bab Souria(http://babsouria.online.fr/index.htm), die laut Eigenauskunft von einem französischen Computeringenieur und Reisebuchautor betrieben wird. Auf der Seite findet sich auch eine umfangreiche Sammlung von Fotos aus der Stadt Aleppo.

    El Amir hinterließ einen Eintrag im Gästebuch, in dem er sich als Architekt bezeichnete. Er spreche Arabisch, Englisch und Deutsch. "Nun studiere ich Stadtplanung in Deutschland", schrieb er, "und bereite mich auf meine Examensarbeit über die Altstadt von Aleppo vor." Unter der Rubrik Interessen schrieb El-Amir: "Alles über Stadtplanung in Syrien. Alles über Aleppo."

    Machule, ein führender Orientexperte, bewertete El-Amirs Diplomarbeit als "sehr ambitioniertes" Werk (Titel: "Khareg Bab-en-Nasr: Ein gefährdeter Altstadtteil in Aleppo. Stadtteilentwicklung in einer islamisch-orientalischen Stadt") und vergab dafür die Note 1,7 - in der mündlichen Prüfung bekam der Student sogar eine 1,0. "Er war eloquent, sprach sehr gut Deutsch." Für die Recherchen zu seiner Arbeit war El-Amir längere Zeit nach Syrien gereist, besuchte Machule sogar einmal, als der sich mit Ausgrabungen in einer anderen syrischen Stadt beschäftigte.

    Auffällig sei lediglich gewesen, dass der Student gelegentlich für Monate verschwand. El-Amir habe diese Abwesenheiten aber glaubhaft damit begründet, dass er seine Familie unterstützen müsse, die in Kairo lebe. Machule ging davon aus, dass seine Familie dort relativ wohlhabend sei und ihm das Studium in Deutschland finanzierte.

    Deshalb wohl brauchte El-Amir länger zur Beendigung seines Studiums, das nur ein Regelstudienzeit von sechs Semestern hat, weil dort nur Studenten mit Vorkenntnissen zugelassen werden. Bevor er nach Harburg kam, habe El-Amir bereits ein Architekturstudium abgeschlossen, glaubt sein Professor. Unklar ist ob er dies bereits in Deutschland oder woanders absolviert hat.

    Mehrere Kommilitonen und Institutsmitarbeiter wollen El-Amir auf Bildern eindeutig wiedererkannt haben. Machule selbst ist sich nicht ganz sicher. Hin und wieder habe der einen Vollbart getragen. Nun bekommt der Professor besorgte und ungläubige E-Mails von seinen ehemaligen Studenten aus aller Welt, die mit El-Amir befreundet waren. Er selbst wird sich wohl dessen Diplomarbeit noch einmal durchlesen und darüber nachdenken, ob sich manche Sätze auch "anders interpretieren lassen, als ich gedacht habe."

  2. #2
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    Exclamation Marwan al-Schahi

    Marwan al-Schahi, der zweite mutmaßliche Terrorist, wurde dagegen an der Uni kaum gesehen. Wohl pro forma schrieb er sich im Wintersemester 1999 an der Uni ein. Ein Jahr später wurde er exmatrikuliert - nach der Einschreibung hatte man an der Hochschule nie mehr etwas von ihm gehört.

    "Hier gibt es keine Atmosphäre des Misstrauens", sagt der TU-Pressesprecher Rüdiger Bendlin. Mohammed Atta, der jahrelange an der Uni studierte, "bewegte sich wie ein Fisch im Wasser". Sicher engagierte er sich in der Islam AG. Doch außer, dass sich das knappe dutzend Mitglieder in einem abseits gelegenen Pavillon - die so genannte Baracke - zum täglichen Gebet traf, fiel die Gruppe überhaupt nicht auf. "Die AG war sehr offen", berichtet Hannes Keil, Öffentlichkeitsreferent in der Studentenvertretung Asta. "Die praktizierten ihren Islam und machten bei Informationsveranstaltungen mit anderen Religionen mit." An der Universität wird Wert darauf gelegt, dass die Kulturen der 70 verschiedenen Nationalitäten unter den Studenten lebendig bleiben.

    "Wenn sie bei unserem Nationentag 'Get2gether' einen Pakistaner mit einer Inderin tanzen sehen, wissen sie, dass sie alles richtig gemacht haben", sagt Christian Nedeß. Seitdem bekannt wurde, dass sich zwei Terroristen unter den Studenten befanden, herrscht im vierten Stock des Hauptgebäudes Ausnahmezustand. Im 20-Minuten-Abstand werden Journalisten durch Nedeß' Büro geschleust, Fernsehteams warten vor dem Gebäude auf einen Dreh.

  3. #3
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    Exclamation Ein Eintrag in einem Gästebuch

    Eintrag im Gästebuch
    Geändert von ronson (10-10-2007 um 18:24 Uhr)

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