Der Countdown läuft: US-Verteidigungsminister Rumsfeld hat angeordnet, dass die Kampfflugezeuge der US-Streitkräfte ab sofort in einem 15-Minuten-Rhythmus startklar sein müssen. Über das Ziel und den Zeitpunkt eines möglichen US-Vergeltungsschlages herrschte indes weiter Unklarheit.

Washington – US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe den 15-Minuten-Zyklus angeordnet, berichtete der Fernsehsender "CNN". US-Außenminister Colin Powell sagte in einer Pressekonferenz, die Taliban müssten womöglich schon bald für ihre Unterstützung von Terroristen wie Osama bin Laden bezahlen. Zugleich sagte Powell, dass die USA bin Laden bisher nicht als Urheber der Terror-Anschläge identifiziert hätten.
Mit Zustimmung von US-Präsident George W. Bush hatte das US-Verteidigungsministerium bisher 35.500 Reservisten einberufen. Bush habe den nationalen Notstand ausgerufen und damit die Genehmigung für die Einberufung von bis zu 50.000 Reservisten erteilt, hieß es in einer Mitteilung. Die Reservisten sollten unter anderem in Häfen, in der medizinischen Versorgung sowie in der Heimatverteidigung eingesetzt werden. Zunächst würden 13.000 Reservisten der Luftwaffe, 10.000 des Heeres und 3000 der Marine sowie 7500 Elitesoldaten und 2000 Reservisten der Küstenwache einberufen.

Das Transportkommando der US-Marine hat nach Angaben Schiffsmaklern drei Tankschiffe gebucht. Zwei Tanker sollen demzufolge 235.000 Barrel Schiffsdiesel (1 Barrel = 159 Liter) für die Marine von Kuwait zum Marinestützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean und von Südkorea nach Japan bringen. Außerdem habe die Marine den unter zyprischer Flagge fahrenden Tanker Presnya gebucht, um 28.000 Tonnen Kerosin von Griechenland nach Südspanien zu bringen. Der Termin für die Verladung des Schiffsdiesel sei für 25. bis 27. September geplant. Das Kerosin werde am 15. September verladen.

Kurz zuvor hatten die Fraktionschefs im Kongress, der aus den beiden Kammern Senat und Repräsentantenhaus besteht, eine entsprechende Resolution gebilligt. Die Zustimmung des Repräsentantenhauses wird für Samstag erwartet.

Die Resolution ist keine förmliche Kriegserklärung. Allerdings sagten die Fraktionschefs im Kongress, die Resolution sei ähnlich abgefasst und ermächtige Bush zu einer militärischen Reaktion. Gleichzeitig müsse sicher gestellt sein, dass die Abgeordneten rechtzeitig informiert und konsultiert würden.

In dem Entwurf der Resolution heißt es: "Der Präsident ist ermächtigt, alle notwendigen und angemessenen Mittel gegen diejenigen Nationen, Organisationen und Personen einzusetzen, die nach seiner Einschätzung die Terroranschläge vom 11. September 2001 geplant, angeordnet, begangen und unterstützt haben oder die solchen Organisationen oder Personen Unterschlupf gewährt haben."

Im Anschluss an die Verabschiedung der Resolution billigte der Senat ein Notmittel-Paket in Höhe von 40 Milliarden Dollar (fast 85 Milliarden Mark) zur Bekämpfung des Terrorismus und für Rettungs- und Aufräumarbeiten.

Zeitgleich hat der Nachrichtensender CNN den Titel seiner Berichterstattung geändert. Liefen die Sendungen bislang stets unter dem Titel „Angriff auf Amerika“ titelt CNN nun „Amerikas neuer Krieg“.

Zuvor hatte die US-Regierung bereits angekündigt, sie werde als Reaktion auf die Terroranschläge eine umfassende längerfristige militärische Aktion durchführen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in einer Botschaft an die Truppen: "Sehr, sehr viel wird von euch in den nächsten Wochen und Monaten verlangt werden. Das gilt vor allem für diejenigen draußen im Feld."