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Thema: Schlachtfelder, alte Stellungen etc. aus dem WK2 in Niedersachsen / NRW

  1. #1
    Avatar von MichaelMeyers
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    Lightbulb Schlachtfelder, alte Stellungen etc. aus dem WK2 in Niedersachsen / NRW

    Hallo,
    ich interessiere mich für Schauplätze aus dem WK 2.
    Würde mich über diverse Ratschläge sehr freuen und bedanke mich im Voraus...

  2. #2
    Avatar von morzomo
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    Standard AW: Schlachtfelder, alte Stellungen etc. aus dem WK2 in Niedersachsen / NRW

    Hallo MichaelMeyers,

    oh ja da habe ich was für dich. Mein Opa (väterlicherseits) war gegen Kriegsende im Einsatz in Niedersachsen und zwar bei Holzminden. Mein Opa stammt eigentlich aus Wefensleben in Sachsen-Anhalt und ist Jahrgang 1928. Während dem Krieg hatte er ab 1944 bei der Reichsbahn in Magdeburg als Kuppler gearbeitet. Seine Aufgabe war es, bei Rangierfahrten am Magdeburger Bahnhof die Waggons zu verkuppeln. Im Februar 1945 wurde er eingezogen und kam nach circa 6 Wochen Wehrertüchtigungslager (leider keine Ahnung wo) zum Panzer Pionier Ersatz Battallion 19 nach Holzminden.

    Als er dort am 7. April 1945 gegen Mittag mit dem Zug ankam lag der Bahnhof bereits unter Artilleriefeuer. Das Artilleriefeuer war derart heftig, dass ein geordnetes Treiben dort nicht mehr möglich war. Es hat wohl blanke Panik geherrscht, aber die Kettenhunde haben ihrem Namen alle Ehre gemacht und die meisten wieder eingefangen. Sie wurden in die örtliche Kaserne in Holzminden eingewiesen, das muss direkt beim Übungsplatz der Pioniere gewesen sein. Noch am gleichen Abend wurde alarmiert und die Soldaten wurden bei beginnender Dunkelheit in die Stellungen eingewiesen. Laut meinem Opa hatte man auf der Ostseite der Weser vom Übungsgelände in Richtung Norden das Ufer entlang einen ewig langen Splitterschutzgraben im Zick-Zack gezogen über dem als provisorische Unterstände alle 20-50 Meter ein ungekippter Beton-Ponton der Pioniere lag.

    Am 8. April ware rege Feindbewegung auf der anderen Seite der Weser zu verzeichnen. Amerikanische Panzer und Jeeps rollten unbeeindruckt die andere Straßenseite entlang (von Heinsen) Richtung Stahle, obwohl sie von der anderen Seite des Flusses unter Feuer standen. Ein Angriff der Amerikaner blieb jedoch aus. In der Nacht vom 8. April auf den 9. April müssen die Amerikaner jedoch irgendwo nördlich oder südlich durchgebrochen sein, denn es war aus dem Hinterland heftiger Gefechtslärm zu hören und die Pioniere bekamen den Befehl sich nach Osten abzusetzen. Mein Opa ist noch in der Nacht in Richtung Bevern geflüchtet und hat sich dort mit vielen anderen Soldaten in einer Scheune eines Bauernhofes versteckt. Am 9. April morgens lag Bevern, laut seiner Aussage, bereits circa 20 Kilometer hinter der Frontlinie. Dank des Konfirmationnsanzugs des Sohnes der Bauern, der als Soldat irgendwo im Osten verschollen war, konnte sich mein Opa in Zivilkleidung auf den Heimweg machen. Er ist dann in 3 Tagen von Bevern zurück nach Wefensleben gelaufen.

    Auf dem Heimweg hat er sich nur von den Resten ernährt, die die vorrückenden Amerikaner in Ihren Fresspaketen übrig gelassen haben. Dabei hat er wohl wieder die Frontlinie Durchbrochen, denn als er in Wefensleben ankam war das noch nicht besetzt. Die Briten kamen circa eine Woche später und besetzten Wefensleben. Es wurde ein Aufruf gemacht und alle Soldaten und Funktionäre sollten sich am Rathaus melden. Wer nicht kam, aber kommen sollte wurde abgeholt. Mein Opa hat sich gemeldet und danach war er noch in (glaube ich britischer) Gefangenschaft. Er wurde mit tausenden anderen Soldaten auf einem riesigen, mit Stacheldraht umzäunten Sportplatz bzw. Sportgelände festgehalten, aber er wusste nicht mehr genau wo das gewesen ist. Er hat dann vorgegeben mit anderen aus dem Ort bei der Sperrstunde erwischt worden zu sein. Das haben sie ihm geglaubt und ihn nach einem Tag wieder frei gelassen. Sie bekamen zur Entlassung für Drei Leute ein Laib Brot, das haben sie sich dann geteilt und mein Opa ist dann zum zweiten Mal nach Hause Richtung Wefensleben gelaufen. Nachdem er wieder in Wefensleben angekommen war hat er dann noch den Einmarsch der Russen mitbekommen. Das wars eigentlich.

    Im Internet findet man folgenden Bericht:

    http://www.erinnernsuedniedersachsen...ektbericht.pdf ist zu lesen:

    "Da sich im Zweiten Weltkrieg das Kriegsgeschehen nicht mehr nur an der eigentlichen Front abspielte, waren im gesamten Reich Truppen stationiert. 4261 Männer umfasste das am 19. März 1945 in Holzminden stationierte Panzer-Pionier-Bataillon 19. Dieses war eine Ersatz- und Ausbildungseinheit. Es hatte drei Rekrutenausbildungskompanien, eine Stammkompanie und einen Nachrichtenzug. Weiterhin gab es eine starke Genesendenkompanie und eine Marschkompanie. Nach dem Aufruf zum Volkssturm kamen weitere 8000 Männer zur regulären Truppe. Allerdings mangelte es überall an Waffen und Ausrüstung. Es wurden sogar zurückgelassene Gewehre in den Wartesälen der Bahnhöfe gesammelt (Kretschmer, Paul: Die Weser-Solling-Stadt Holzminden 1981, S. 559-560)

    Fliegerangriff auf Holzminden
    Anfang April 1945 drangen die Alliierten mit ihren Panzerspitzen zügig voran. Um sie zu stoppen wurde die Holzmindener Weserbrücke -wie auch alle anderen festen Weserübergänge- zur Sprengung vorbereitet. In der Nacht zum 7. April griffen die Amerikaner über Fürstenau und Albaxen Stahle an und konnten so die Stadt unter Panzerbeschuss nehmen. Noch in derselben Nacht wurde die Weserbrücke von den Deutschen gesprengt, um die Feinde aufzuhalten. Die Amerikaner beschrieben die Holzmindener als entschlossene Widerständler.

    Am Tage des 7. April 1945 wurde die Stadt von den Alliierten mit Artilleriefeuer angegriffen. Besonders im Gebiet der Teichanlagen entstanden durch Raketen und erneute Bomben größere Schäden. Da die Lage für Holzminden aussichtslos schien, sollte das Pionierbataillon den Nachschub an Munition und Verpflegung der Amerikaner zerstören.Am 9. April wurde die Stadt schließlich von den Amerikanern besetzt. Doch die Kriegsschäden hielten sich verhältnismäßig gering, da weder das Silo, noch die Stiebel Eltron Werke oder die Brotfabrik trotz Befehls nicht zerstört wurden."

    Ich habe mal versucht auf Basis der Beschreibung meines Opas einzuzeichnen, wo diese Stellungen waren. Siehe angehängte Grafik. An dieser Roten Markierung entlang der Weser muss der Graben gewesen sein, in dem mein Opa in Stellung lag. Ich weiss leider nicht wie nah oder wie weit diese Stellungen vom Flussufer entfernt waren. Leider war ích bis jetzt auch noch nie vor Ort um selbst mal nachzusehen. Falls du es schafft dort mal nachzusehen, mach mal ein paar Bilder, mein Opa würde sich wahnsinnig drüber freuen.

    mfg

    morzomo
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    Das Leben ist ein Geben und Nehmen...man übergibt sich, man übernimmt sich.

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  4. #3

    Avatar von volwo
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    Standard AW: Schlachtfelder, alte Stellungen etc. aus dem WK2 in Niedersachsen / NRW

    Buchempfehlung: Detlev Creydt: Luftkrieg im Weserbergland. Eine Chronologie der Ereignisse, Holzminden 2007, 500 Seiten.

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