Zwei Terrorpiloten lebten vermutlich in Hamburg

Die Attentäter der Anschläge in den USA sind identifiziert. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen handelt es sich um rund 50 Personen. Eine heiße Spur führt nach Deutschland. Zwei mutmaßliche Terrorpiloten lebten möglicherweise zeitweilig im Hamburger Stadtteil Harburg.

Hamburg - Die Beamten hätten am Mittwochabend zwei Wohnungen in Harburg durchsucht, berichtete Hamburgs Innensenator Olaf Scholz (SPD). Dort sollen zwei Männer gewohnt haben, die in die mörderischen Anschläge in New York und Washington verwickelt waren.. Mindestens einer von ihnen, Mohammed Atta, 33, soll einen Pilotenschein gehabt und eines der Flugzeuge gesteuert haben, die in das World Trade Center gerast waren. Beide Männer seien offensichtlich in der Hansestadt gemeldet gewesen, teilte Scholz mit. Die beiden Verdächtigen stammen laut Melderegister aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Mit der Spurensicherung wurde noch am Abend begonnen. In die Ermittlungen hat sich inzwischen der Generalbundesanwalt in Karlsruhe eingeschaltet. Die Hamburger Polizei war in Amtshilfe für das BKA und die amerikanische Bundespolizei FBI tätig geworden. Mieter einer Wohnung in der Marienstraße 54 soll Marwan Al S. gewesen sein, ein Cousin des mutmaßlichen Terrorpiloten Atta. 1000 Mark Miete seien für die Drei-Zimmer-Wohnung (58 Quadratmeter) bezahlt worden, berichtet die "Bild"-Zeitung. Nach Erkenntnissen des FBI hatten zwei Männer in Harburg gewohnt, die sich vom Juli 2000 bis zum Januar 2001 in Florida aufgehalten haben. Gegenüber ihrem Vermieter in Florida hätten die beiden angegeben, Deutsche zu sein.

Laut Polizei soll sich in der Wohnung in Harburg in der fraglichen Zeit "eine unbestimmte Zahl Personen arabischer Herkunft aufgehalten haben." Bei der Überprüfung der Wohnung sei festgestellt worden, dass sie seit Februar 2001 unbewohnt sei. Die Wohnung sei zwar sorgfältig gereinigt, doch hoffe die Polizei, noch Spuren sichern zu können, sagte ein Sprecher.

"Der Hausverwalter sagte uns, es seien Studenten", berichtet eine Familie aus der dritten Etage des Hauses in der Marienstraße in der "Hamburger Morgenpost" über die Araber. "Die meisten sprachen gut Deutsch, einer lief immer im weißen Gewand rum, hatte eine kleine Strickmütze auf, trug einen Bart", erzählt Burkhard S.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte in den ARD-"Tagesthemen": "Wir stehen in Verbindung mit unseren amerikanischen Freunden. Es gibt einen Informationsaustausch zwischen den Sicherheitsdiensten, aber ich möchte zum gegenwärtigen Zeitpunkt über Einzelheiten in der Öffentlichkeit nicht sprechen."