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Thema: Holzdorf

  1. #1
    Avatar von Der Adel
    Nixdürfer

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    Standard Holzdorf

    Weil es Conny letztens angesprochen hat, habe ich mal wegen des Bunker und der Kunstsammlung ein wenig gesucht.


    "Nach 50 Jahren sind in Petersburg wieder Gemälde aus einer der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen aufgetaucht
    Günter Wermusch und Nick Reimer
    Nicht nur für seinen hervorragenden Geschäftssinn war der Gründer der Mannheimer Strebelwerke, Otto Krebs, bekannt. Seit 1920 trug der exzellente Kunstkenner eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen an Gemälden zusammen. Für seine Sammlung erwarb Krebs nur jene ausgewählten Bilder - vorrangig von französischen Impressionisten -, die für ihre jeweilige Schaffensperiode charakteristisch waren. Der Kölner Kunst-Experte Clemens Toussaint schätzt den Wert der "wohl bedeutendsten deutschen Privatsammlung des Impressionismus" auf fast eine Milliarde Mark.

    Jede Galerie wäre stolz, sich mit den von Krebs erworbenen Werken schmücken zu können: Cezanne, Delacroix, Signac und Picasso, Manet, Gauguin, van Gogh oder Toulouse-Lautrec, dazu Plastiken von Degas und Maillol. Die meisten Gemälde sind aber noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt worden. Etliche von ihnen, zum Beispiel Gauguins "Piti Teina", sind nicht einmal in Katalogen zu finden.

    Tresortür als Schutz

    Das hat seinen Grund: Als die Nazis in den 30er Jahre die Kategorie der "Entarteten Kunst" entwarfen, hielt es Krebs für ratsam, die Bilder im Keller seines Gutes Holzdorf bei Weimar zu verstecken. Die Sammlung von mehr als 100 Gemälden bestand nahezu ausschließlich aus dem, was die Nazis als "entartet" verfolgten. Mit einer Spezial-Tresortür verschlossen, sollten die Bilder hier auf bessere Zeiten warten.

    Otto Krebs selbst erlebte diese nicht mehr. Er starb 1941. Kurz vor seinem Tod hinterließ er testamentarisch seine Einkünfte aus den Strebelwerken und einige Immobilien einer Stiftung für Scharlach- und Krebsforschung an der Universität Heidelberg.

    Nach dem Krieg, der in Thüringen schon im April 1945 zu Ende ging, bezog die amerikanische Besatzungsmacht Quartier auf Gut Holzdorf. Walter Scheidig, Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar, war besorgt. In das Gut hatte sein Museum das Archiv des Komponisten Max Reger ausgelagert, damit es den Krieg unversehrt übersteht.

    Daß in Holzdorf auch die Sammlung Krebs' versteckt war, davon wußte Museumsdirektor Scheidig nichts. Er stieß eher zufällig auf ein Fotoalbum mit den Bildern der Sammlung. In einem Gedächtnisprotokoll schrieb Scheidig über den Fund: "Die Sammlung Krebs war mir nur dem Namen nach bekannt. Bei der Rückführung des Reger-Archives zwischen April und Juli 1945 kam ein Fotoalbum mit den Kunstwerken der Sammlung Krebs zum Vorschein."

    Die Amerikaner waren besser informiert über die Gemäldesammlung als Scheidig. Woher sie von den Schätzen hinter der Tresortür wußten, ist bis heute ungeklärt. Ebenso die Fragen, warum 16 Abbildungen im Fotoalbum von Krebs fehlen und wo die Inventarlisten der Sammlung geblieben sind, die es mit Sicherheit auf Gut Holzdorf gegeben haben muß.

    Als die Amerikaner am 30. Juni 1945 das Gut räumten und sich hinter die in Jalta beschlossenen Besatzungsgrenzen zurückzogen, blieb die Tresortür verschlossen. Museumsdirektor Scheidig hatte eine vollständige Plünderung des Schatzes durch die Besatzungsmacht verhindern können.

    Neue Hoffnung

    Nach dem Abzug der Amerikaner bezog die Sowjetische Militäradministration Quartier auf dem Gut. Im Zuge von Bodenreform und Enteignung fiel das Gut Holzdorf 1946 der öffentlichen Hand zu. Jetzt, so hoffte Scheidig, würde das Bergen der Gemälde aus dem noch immer unzugänglichen Tresorraum möglich sein. Am 6. April 1946 schrieb er an den Präsidenten des Landes Thüringen: "Wir erlauben uns die ergebene Bitte vorzutragen, der Herr Präsident möge versuchen, von Herrn Generalmajor Kolesnischenko die Erlaubnis zu erwirken, daß die Gemäldesammlung aus dem Herrenhaus in Holzdorf entnommen werden kann und einstweilig im Schloßmuseum in Weimar sichergestellt werden darf."

    Der thüringsche Ministerpräsident erwirkte dafür im Sommer 1947 einen Befehl von Kolesnischenko. Aber Scheidig und die ihm zugeteilten russischen Kunstschutzoffiziere mußten unverrichteterdinge wieder abziehen: Die Safe-Schlösser waren zerstört, der Schlüssel verloren.

    Eine Berliner Spezialfirma wurde beauftragt, die Tresortür zu knacken. "Nach längeren Verhandlungen erklärten jedoch die sowjetischen Kunstschutzoffiziere, der Marschall (gemeint ist Marschall Tschuikow, damals Leiter der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen - d. Red.) als Quartierinhaber habe die Ausführung der Arbeiten verboten", schreibt Scheidig in seinem Gedächtnisprotokoll.

    "Nach Freigabe des Gutsgebäudes 1952 fuhren wir nach Holzdorf", schreibt Scheidig weiter. "Wir fanden die Safe-Anlagen offen. Schon bei der Ankunft hatten uns die Gutsarbeiter gesagt, die Bilder seien vor und während der Räumung von den Sowjets abtransportiert worden."

    Scheidig blieb nur das Fotoalbum und eine Inventarliste, die der Hausmeister des Gutes 1946, offensichtlich aus seiner Erinnerung, angefertigt hatte. In ihr sind 98 Gemälde und 18 Plastiken verzeichnet.

    Akte konfisziert

    Scheidig ließ nicht locker. Er organisierte Anfragen, Nachforschungen und schrieb die Gemälde schließlich zur Fahndung aus. Das war der Stasi ein Dorn im Auge. Am 28. September 1978 - Scheidig war bereits vier Jahre tot - entfernte der Bernsteinzimmerforscher und Stasi-Oberstleutnant Paul Enke die Akte H 14 über die Sammlung Krebs und Scheidigs Gedächtnisprotokoll aus dem Weimarer Staatsarchiv. Beide Dokumente übergab Enke dem DDR-Innenministerium. Damit sollten alle "unkontrollierten" Nachforschungen unmöglich werden.

    Nach der Wende tauchte zuerst das Fotoalbum wieder auf. 1991 veröffentlichten die beiden ukrainischen Kunsthistoriker Konstantin Akinscha und Grigori Koslow in der amerikanischen Kunstzeitschrift "artnews" eine Liste mit "Werken der Malerei, die in der staatlichen Ermitage aufbewahrt werden". Die Liste trägt den Zusatzvermerk "Aus Privatsammlungen". Darin befindet sich ein Posten "Keps, Weimar", 78 Bilder. Die Sammlung Krebs war wieder aufgetaucht.

    20 Bilder fehlen

    Seit April dieses Jahres, ein Dreivierteljahrhundert nach Entstehung der Sammlung Krebs, sind erstmals bessere Zeiten für einen Teil der Gemälde angebrochen. Von den 78 Bildern, die in den Beutekunstdepots der Ermitage verschwanden, sind derzeit 55 in der Sonderausstellung "Verborgene Schätze" zu sehen. Jede Spur fehlt hingegen von mindestens 20 weiteren Gemälden aus der Sammlung Krebs.

    Während eine deutsch-russische Regierungskommission über die Zukunft der Beutekunst-Bilder verhandelt, wird in Deutschland schon kräftig über Besitzansprüche an der Krebs-Sammlung nachgedacht. Die Kunstsammlung zu Weimar spekuliert, daß sie aufgrund der Enteignungen nach 1945 einen Anspruch auf die Sammlung hat. Auch die Stiftung für Scharlach- und Krebsforschung meldete Ansprüche an. Immerhin seien ihr, so das Argument, die meisten der Krebsschen Besitztümer vererbt worden. Ob die Bilder dazugehören, ist ungeklärt."



    Quelle: Quelle: "Berliner Zeitung"
    VerlagArchiv » 1995 » 29. Mai

    Quelle: http://holzdorf.de.tl/Holzdorfer-For...t-Holzdorf.htm

    Zur Ausweichführungsstelle dann später mehr.

    Viele Grüße
    Geändert von Der Adel (04-04-2014 um 23:29 Uhr)

  2. #2
    Avatar von Conny
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    Standard AW: Holzdorf

    Hallo Martin, selbst bei der existierenden Auflistung und den Abbildungen im Fotoalbum ist ein buchhalterischer Trick angewendet worden, um ein weiters Bild verschwinden zu lassen. Übrigens, die Familie Krebs hatte auch Ansprüche geltend machen wollen. Dass zur Ergänzung.

    ... und was der damalige Dirktor der Weimarer Kunstsammlungen bei einem der Gemälde in Leningrad feststellte war wenig erbaulich. Da hatte es Zoff gegeben und ich bin mir nicht einmal sicher, ob es in den Medien bekannt wurde.

    MfG

    Conny
    Geändert von Conny (05-04-2014 um 10:34 Uhr)

  3. #3
    Avatar von Der Adel
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    Standard AW: Holzdorf

    Quelle: http://www.stasibunker.de/frames/bad...ta_120290.html


    „Neues Haus“ ist NVA-Bunker, „Rottdorf“

    war Stasi-Deckname

    Oberst Helmut Pawlik, Stellvertreter des Chefs des Wehbezirkskommandos: In den 60er Jahren gebautes
    Armee-Objekt galt als Ausweichführungsstelle für den Ernstfall.



    „Bunker als Nachrichtenzentrale“ - dieser Beitrag in der „Thüringer Allgemeinen“ vom 22. Januar hat bei unseren Lesern in vielerlei Hinsicht für Gesprächsstoff gesorgt. Die Reaktionen reichen von solchen Einschätzungen wie „Der ganze Artikel ist die Tinte nicht wert“ (Gunter Fritzlar aus Zittau), „reißerisch“ und die TA solle nicht die BILD-Zeitung der DDR werden (Fred Schade aus Dresden) bis hin zu sehr besorgten Tönen. So erhielten wir gleich am Tage der Veröffentlichung Telefonanrufe, mit denen uns Leser auf ähnliche Dinge aufmerksam machten (Ottornar Heyse aus Weißensee und Hans Zenker aus Erfurt).
    Vertreter von Bürgerkomitees liefen bereits Sturm
    Andere wiederum waren Betroffene dieser Reportage. Beispielsweise teilten uns die Bürgerimeisterin von Rottdorf und der Leiter des zentralen GST-Ausbildungsobjektes „Neues Haus“ in Tambach-Dietharz mit, daß Dorfbewohner beziehungsweise Vertreter von Bürgerkomitees von ihnen energisch Aufklärung darüber gefordert hätten, welche Verbindung zu dem ehemaligen Stasi-Bunker bei Bad Berka bestanden habe. Sie müßten es ganz einfach wissen, schließlich seien doch die Bezeichnungen „Rottdorf“ und „Neues Haus“ auf einem Schaltschema in dieser Nachrichtenzentrale vorgefunden worden. Woher sollten sie aber? Denn „Neues Haus“ - das hat der Weimarer Untersuchungsausschuß inzwischen ermittelt - ist ein NVA-Objekt, das sich am Stadtrand von Weimar befindet.
    Und „Rottdorf“ hat nichts mit der gleichnamigen Gemeinde unweit von Blankenhain zu tun, sondern war lediglich die Tarnbezeichnung für das Stasi-Objekt. Bei diesem handelte es sich im übrigen um eine Ausweichführungsstelle der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit - und zwar für den Ernstfall, was immer man darunter im einzelnen verstanden haben mag.
    Nachrichtenzentrale der ZV im Kinderheim installiert
    „Als wir bei der Post die Leiterpläne für die MfS-Objekte in die Hände bekommen hatten, war daraus ersichtlich, daß ein Kabel von Weimar aus zu dem Bad Berkaer Bunker verlief, berichtet Georg Ghiletiuc, Mitglied des Untersuchungsausschusses. „Ein Abzweig führte zum Kinderheim Holzdorf. In ihm ist eine Ausweichführungsstelle der Zivilverteidigung im Bezirk untergebracht. Nachrichtenzentralen, die im Kriegsfall ganz zwangsläufig besonders bedroht sind, in einem Gebäude zu installieren, in dem Kinder untergebracht werden, für diese Perversität in höchster Potenz haben wir einfach keine Worte gefunden.“ Von Oberst Helmut Pawlik, Stellvertreter des Chefs des Wehrbezirkskommandos, konnte man dies ganz und gar nicht behaupten, als wir ihn nach dem „Neuen Haus“ befragten. Er teilte bereitwillig mit, daß es sich bei dem genannten Objekt in der Tat um eine Ausweichführungsstelle der NVA handele, genauer gesagt um die seiner Dienststelle. „Die Bunkeranlage ist in den 60er Jahren gebaut worden. Höchstens einer Handvoll von Offizieren und Zivilangestellten war sie näher bekannt. Sie ist übrigens nie benutzt worden.“




    Fünf Wehrkreiskommandos haben Bunker unter der Erde
    Oberst Pawlik machte noch auf ähnliche Anlagen aufmerksam. So verfügen fünf der 14 Wehrkreis-kommandos Im Bezirk Erfurt über solch geschützte Unterbringungsmöglichkeiten für Nach-richtenanlagen. Es handelt sich im einzelnen um die in Nordhaüsen, Sömmerda, Gotha, Weimar und Erfurt, die allesamt nicht atombombensicher seien. Vom Typ des Bad Berkaer Nachrichtenbunkers soll es in einem DDR-weiten unterirdischen System etwa 20 gegeben haben, wie ein angeblich übergelaufener Stasi-Major im ersten Februar-Heft einer bundesdeutschen Illustrierten enthüllte. In diesem Bunker hat sich inzwischen einiges getan. Fachleute von der Post und der Armee waren an Ort und Stelle, um die Technik abzubauen. Bleibt die Frage: Was wird aus dieser Führungsstelle, in der einst alle Nachrichtenmittel einschließlich Funk und Fernschreiber zusammenliefen und schätzungsweise achtzig Personen oder mehr arbeiten konnten? Es soll erste Überlegungen geben, in den klimatisierten unterirdischen Räumen möglicherweise Kulturgüter zu lagern, die gegenwärtig unter unzureichenden Bedingungen aufbewahrt werden. Leute zu bespitzeln beziehungsweise die Ergebnisse einer flächendeckenden Stasi-Schnüffelpraxis an entsprechende Stellen weiterzuleiten, das wird von dort aus mit Sicherheit nie mehr passieren.

    Manfred Maahs

  4. #4
    Avatar von Erdwurm
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    Standard AW: Holzdorf

    das ist schon korrekt, im bezirk erfurt gab es oft zwei gleiche bunker mit den gleichen aufgaben, durch einen überläufer wurden aber beide am "leben" erhalten, das ist doch nicht neu

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