"We must fight this War"
In den amerikanischen Medien wird ein entschiedener Schlag gegen den Terrorismus gefordert. Die US-Öffentlichkeit ist laut Umfragen auch zum Krieg bereit.
New York - In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Zeitung "Washington Post" und des US-Fernsehsenders ABC gaben 94 Prozent der Befragten an, sie würden militärische Vergeltungsschläge der USA unterstützen, wenn die USA die Schuldigen ausfindig machen könnten.
92 Prozent sagten, selbst wenn ein Vergeltungsschlag den Eintritt in einen Krieg bedeutete, seien sie bereit, eine solche Maßnahme zu unterstützen. Der Umfrage zufolge wären zudem 62 Prozent willens, Einschränkungen ihrer Grundrechte hinzunehmen, damit die Regierung hart gegen Terrorismus durchgreifen könnte. Präsident George W. Bush hatte am Dienstag massive Vergeltung angekündigt. Bush sprach von Tausenden Menschenleben, die plötzlich ausgelöscht worden seien, und kündigte an: "Wir werden keinen Unterschied machen zwischen den Terroristen, die diese Taten begangen haben, und denjenigen, die sie unterstützen." Außenminister Colin Powell sagte: "Es ist ein Krieg nicht nur gegen die Vereinigten Staaten, sondern gegen die Zivilisation."
Mit seiner Ankündigung, die Verantwortlichen zu finden, habe der Präsident sehr hohe Erwartungen geweckt, schrieb die "New York Times" am Mittwoch. "Die Anschläge sind für Bush eine Bedrohung und eine Chance. Als Präsident einer Minderheitsregierung (im Senat), erst vor ein paar Monaten angetreten und von vielen als intellektuell überfordert in diesem Job verspottet, wird er in den kommenden Monaten daran gemessen werden, ob er das Kommando übernehmen und mit Entschlossenheit agieren kann."
Mit den Anschlägen werde die Entschlossenheit der Nation getestet hatte Bush gesagt. "Er selbst wird auch auf die Probe gestellt, vielleicht stärker als je zuvor", meinte die "New York Times".
Amerikanischer Heiliger Krieg
Der ehemalige Verteidigungsminister William Cohen forderte in einem Beitrag für die "Washington Post", dass die USA nun einen eigenen "amerikanischen Heiligen Krieg" führen müssen. Dieser dürfe jedoch nicht "von Hass getrieben sein", sondern von der Überzeugung die Werte von "Freiheit, Toleranz und Rechtstaatlichkeit zu verteidigen", schrieb Cohen.
"We must fight this War", lautete ein anderer Beitrag in der "Washington Post": "Der Kongress muss den Krieg erklären", heißt es darin.
"Wenn diese Angriffe vom Ausland gesteuert wurden, waren es Kriegsakte", schreibt die "Washington Post" in ihrem Leitartikel. "Entsprechend muss darauf reagiert werden. Die Nation muss sich mit Nüchternheit und Entschlossenheit darauf vorbereiten, den ersten Krieg des neuen Jahrhunderts zu bestreiten - einen Krieg, der damit beginnt, die Urheber zu identifizieren und zu bestrafen, der aber weiter gehen muss, bis die Quellen, aus denen die Terroristen unterstützt werden, versiegt sind und die Verteidigungslinien des Landes gegen derart unkonventionelle Kriegsführung gestärkt sind."
Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger rechnet mit einer harten Reaktion der USA auf die Terroranschläge vom Dienstag. Im Fernsehsender RTL sagte Kissinger am Mittwoch, er gehe davon aus, dass Präsident George Bush mit aller Entschlossenheit antworten werde. "Aber das Hauptproblem ist jetzt nicht, wie man einen Gegenschlag macht, sondern wie man dem System beikommt, das einen solch gut organisierten Angriff bewerkstelligen kann", fügte er hinzu. Kissinger glaubt, dass die amerikanische Regierung zunächst versuchen wird, Unterstützung befreundeter Staaten einzuholen. "Und ich würde annehmen, dass jetzt systematische Anstrengungen unternommen werden, die Länder, von denen man weiß, dass sich hier terroristische Gruppen organisieren, dazu zu bewegen, diese Gruppen auszuweisen oder unfähig zu machen".
Der ehemalige Nahost-Vermittler der Clinton-Regierung, Dennis Ross, sagte, die USA dürften nun nicht überhastet reagieren. Schon einmal hätte Amerika vorschnell auf einen terroristischen Akt reagiert und dabei möglicherweise die Falschen getroffen. "Wir müssen nun sehr überlegt handeln", sagte Ross dem Fernsehsender CNN.





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