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Thema: Kasimir Hagen & Co.

  1. #1
    Stammuser Avatar von Conny
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    Standard Kasimir Hagen & Co.

    Ja Vera,
    wenn dem so ist, dann ist es mit dem >nur Sammler< wohl doch nicht so ganz zutreffend. Ja, wie kam der Mann denn nun in den Besitz von Gemälden der Sammlung Stern? Über den ERR oder über die Kunst- ein und Verkäufer im Auftrag von Göring, Linz usw?

    Könnte es sein, dass er einfach von Dietrich, Hofer oder Anderen für sich privat gekauft oder getauscht hatte? Zumindest liegt der Verdacht nahe, dass er in die Händler, besser Schieberszene involviert ist oder aber auf beschlagnahmtes Kulturgut privat zurückgegriffen haben konnte. Wieso taucht er nicht beim Ami auf, die ja selbst kleinste Händler erfasst und aufgelistet haben? Da muss ich einmal nachlesen, ob der Name nicht doch auftaucht.

    Mit dieser Sache habe ich mich nie beschäftigt, da es nichts mit dem Bernsteinzimmer zu tun hatte. Da würde ich mich ja total verzetteln, weil es einfach zu viel wird.

    Allein der ERR oder Linz für sich genommen ist für eine Person schon fast zu viel zur Bearbeitung. Dazu kommt die gesamte Verkaufsproblematik über die Händler, dazu die Tauschgeschäfte. Das ist eine Wissenschaft für sich und dazu spielte sich das Ganze in vieler Herren Ländern ab.

    Mir reichte es bisher einen ansatzweise guten Überblick zu haben. Dazu ging es mir hauptsächlich um die ganzen theoretischen Aspekte der Verlagerung, da ich dadurch Rückschlüsse auf die Deponierung und Transportrichtungen bekommen habe, auch um die Aufgabenteilungen bei der Bergung und Verlagerung. Wenn man diese Dinge missachtet, schmeißt man alles in einen Topf und genau das geht nicht. Da kommt man nicht weiter.

    Fazit: Die gesamte Problematik ist für eine einzelne Person zu viel und muss, da Spezialisierungen notwendig sind, interdisziplinär abgearbeitet werden. Eine Zusammenschau der Ergebnisse der einzelnen Spezialisten bringt dabei mit Sicherheit neue Erkennisse. So würde es in der Theorie funktionieren. Meiner Meinung nach aber nur unter staalichen Dach möglich, weil dadurch die privaten Befindlichkeiten des Einzelnen der Sache und dem Ziel untergeordnet sind.


    MfG

    Conny
    Geändert von Conny (13-07-2010 um 16:01 Uhr)

  2. #2
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Also, Dix ist ja damals unter die Entarteten gefallen und somit die erste Frage, woher stammte das >Frauenbildnis<? Aus den beschlagnahmten Dix Werken der Sammlungen und Museen oder zur Zeit der Inhaftierung des Dix durch die GESTAPO? Oder ist es ein privater Ankauf aus der Zeit?

    Die nächste Frage. Wie konnten Gemälde der Sammlung Stern an Hagen gelangen? Es würde voraussetzen, er hat bei der Lemperz Auktion in 1937 gekauft, er hat von Stern aus dem ihm zurückgegebenen Teilen gekauft oder aber (weit aus wahrscheinlicher für mich) zwischen 1937 und 1939 bei der Spedition Roggendorf zugegriffen oder Dank einflussreicher Kontakte von der GESTAPO erhalten, bzw. in deren Auftrag für Verwertung zu sorgen.

    In beiden Fällen sehe ich eine gemeinsame Schnittstelle, die GESTAPO.

    Ich wußte schon immer, warum ich mich nicht mit diesen Fragen beschäftige. Es ist ein deratiges Durcheinander, das Beziehungsgeflecht der Beschlagnahmungen, der Verwertung, des Tausches, der An- und Verkäufe zu durchdringen. Es ist redlicher Erwerb, neben kriminellen Handlungen und staatliche Sanktionen neben und miteinander gegeben. Da hilft wirklich nur in jeden Fall die Einzelprüfung.

    ..und genau dass ist verdammt schwer. Sisyphos lässt grüßen.

    MfG

    Conny
    Geändert von Conny (13-07-2010 um 15:58 Uhr)

  3. #3
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Hut ab Vera, vor dem was Du machst und was du dir vorgenommen hast. Man kann es gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist Herausforderung und Schwerstarbeit, dazu zeitaufwendig und arbeitsintensiv. Zumindest wert in geeigneter Form eines Tages veröffentlicht zu werden. Ich drücke dir dazu schon einmal beide Daumen.

    MfG

    Conny

  4. #4
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Nun haben wir bei dieser Geschichte wieder die Fahrzeuge mit Schweizer Flagge.
    Erste Frage: Gab es solche gekennzeichnete Fahrzeuge? Ich beantworte die Frage gleich selbst. Die Fahrzeuge waren als Fahrzeuge des IRK gekennzeichnet und im Bereich der vormarschierendnen Westallierten mit aufgemalten Schriftzügen versehen, wie Red Cross und Switzerland gekennzeichnet, zusätzlich Schweizer Stander oder Flagge. Wer gibt uns die Grarantie, dass die Aussagen tatsächlich stimmen? Sie stammen einzig und allein von den bereits genannten Personen, die jeweils bei der Ankunft und beim Abtransport zugegen waren. Einmal Scheidig, Gitschir und Hagen. Das man keine Deutschen Rot Kreuz Fahrzeuge verwendete ist klar. Dazu gab es den widerholten Führerbefehl alle artfremden Transporte mit RK Fahrzeugen zu unterlassen. Es wurde bei Zuwiderhandlung mit schwersten Strafen gedroht. Hat man sich so einfach darüber hinweggegesetzt? Im Einzelfall bei der Flüchtung der Ostgebiete schon. Um IRK Fahrzeuge zu benutzen hätte ja die Einwilligung von Burgkhart oder Graf Folke Bernadotte vorliegen müssen, würde ich meinen. Ganz so einfach ging es nicht. Wohl doch nicht Schweizer Fahrzeuge, eher Deutsche Fahrzeuge als Schweizer deklariert um den Führerbefehl zu unterwandern.

    MfG

    Conny

  5. #5
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Warum sollte Popp mit Fahrzeugen des RK bzw. als IRK getarnten Fahrzeugen gefahren sein, wenn er genügend eigene Fahrzuge hatte. Um feindliche Linien zu durchqueren hätte man auch die entsprechende Montur anhaben müssen und nicht NSFK Klamotten. Das passt nicht zusammen. Der einzige Grund, um nicht aus der Luft angegriffen zu werden. Leider waren da alle kriegsführenden Seiten wenig zimperlich.

    Nur ist die Frage, wer gab den Befehl für dieses Handlungen? Wäre die Sache nach oben gemeldet worden, hätte es mehr als heiße Ohren gegeben. Eindeutiger Verstoß gegen den nochmals erlassenen Führerbefehl.

    MfG

    Conny
    Geändert von Conny (13-07-2010 um 22:46 Uhr)

  6. #6
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Nun sieht es doch schon ein wenig anders aus:

    Kasimir Hagen, 1867-1965, schon in jungen Jahren begeisterter Kunstsammler, frühpensionierter Postinspektor, Sammler und Galerist (also auch Händler) dazu Papierhandlung und oder Verleger. Meine Meinung einer der Verrückten, die bei ihrer Sammlung bleiben wollten. Wahrscheinlich noch mit der Betreuung der verlagerten Sammelbestände des Richtartz-Wallraff Museums betraut. Immer daran denken, die Stadt Köln verlagerte nach Thüringen.

    Den Dix und den Bosch wird er wohl gekauft haben, so meine Meinung. Es sah spektakulärer aus, als es wahrscheinlich ist.

    MfG

    Conny
    Geändert von Conny (13-07-2010 um 23:28 Uhr)

  7. #7
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Übrigens sollten wir uns tunlichst abgewöhnen, jedes Kunstwerk, dass von Erben oder wem auch immer beansprucht wird, auch unredlich in anderen Besitz übergegegangen ist. Dass kann nur die Einzelfallprüfung ergeben. Es ist nun einmal so, dass auch viele Kunstwerke einfach schlicht veräußert wurden, ohne Pression durch Dritte. Man brauchte schlicht, bares Geld. Klar ist es doch angenehm, im nachhinein nochmals Kasse zu machen, indem man behauptet, man wurde gezwungen usw. usw. Wie gesagt, nicht jeder Fall ist eine blanke Wegnahme. Da gibt es schon einige Fälle, die mehr als grenzwertig waren.

    MfG

    Conny

  8. #8
    Stammuser Avatar von Burg
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    1867 ist Hagen nicht geboren sondern 1887. Er war zwei Jahre älter als sein Führer.

  9. #9
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Entschuldige bitte, war ein Schreibfehler.

    MfG

    Conny

  10. #10
    Stammuser Avatar von vera
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    Standard AW: Kasimir Hagen & Co.

    Boaah, da ist man mal 24 Stunden nicht eingeloggt und bekommt dafür gleich so viel Lesestoff um die Ohren gehauen ;-)


    Kasimir Hagen ist für mich nur insofern interessant, als er vom Schlossmuseum zu Weimar gegenüber einer Behörde (Amt für Reparationen, Weimar) als Zeuge des Abtransports der 'übrigen Sachen' durch Albert Popp benannt wird.

    Wird jemand als Zeuge aufgeboten, stellt sich natürlich die Frage nach der Glaubwürdigkeit dieses Zeugens. Ergeben sich hier Zweifel, wirft das auch ein anderes Licht auf den von anderen bezeugten Sachverhalt. Sprich: Stimmt die ganze Geschichte so überhaupt.

    Ich hätte Zweifel an dem Zeugnis des Herrn Hagen, wenn ich davon ausgehe, dass er selbst in das damalige System verstrickt war oder zumindest als dessen Profiteur erscheint.

    Hagen hatte Werke in seinem Besitz (Bosch, Dix), die der Galerie Stern von den damaligen Stellen - nach heutigen Wertvorstellungen - abgepresst wurden. Das Werk von Hieronymus Bosch musste Hagen im Jahr 1952 auf Grund einer Entscheidung einer Kammer beim LG Düsseldorf zurückgeben. Dass die Kammer gegen ihn entschieden hatte, kann doch nur bedeuten, dass Hagen nicht rechtmäßig in dessen Besitz gelangte.

    Die nächste Frage wäre dann, ob das nur ein Einzelfall war.
    Geändert von vera (14-07-2010 um 15:05 Uhr)

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