Im Nachbarthread "Anschlussgleis vom Bahnhof Ohrdruf zum Tüp" meinte der Kollege Burg im Beitrag #174, die Ruine Mühlburg sei ein Geschenk des Staatsrates Dr. Mühlberg aus Ohrdruf, dem Besitzer der Villa Mühlberg und der Farbenfabrik, an A. Hitler gewesen:
Zur Untermauerung dieser Behauptung wird dann im Beitrag #347 sogar die Signatur einer Akte aus dem Bundesarchiv genannt.
Dazu lassen sich einige Feststellungen treffen:
- In dem Buch "Die Rückseite des Hakenkreuzes. Absonderliches aus den Akten des 'Dritten Reiches'" von Helmut und Beatrice Heiber ist nicht von einem Dr. Mühlberg sondern nur von einem Herrn Mühlberg die Rede.
- Die von Burg angegebene Signatur ist leider falsch. Richtig lautet sie BArch R43II/982; R43 ist der Bestand "Reichskanzlei".
- Die Akte R43II/982 ist der Band 3 der "Akten betreffend Benennung von Straße, Plätzen, Bäumen usw. nach dem Namen des Reichskanzlers, sowie Geschenke u. Widmungen an den Reichskanzler" und läuft von Januar bis Dezember 1935. Dort findet sich allerdings auch nur der Name Mühlberg, keine weiteren Hinweise.
So weit, so fruchtlos. Entscheidend für die weitere Recherche ist die Bleistiftnotiz des Sachbearbeiters auf dem Sauckel-Schreiben vom 2. Dezember 1935. Sie enthält ein Aktenzeichen, das einen mit Hilfe des Findbuchs zu einer anderen Akte führt. Dort gibt es eine Büro-Anfrage, aus der hervorgeht, dass die Reichskanzlei die Angelegenheit "Ruine Mühlberg" an die Privatkanzlei Adolf Hitler in der Parteikanzlei abgegeben hat. Unter der Tagebuchnummer "Rk. 6890/34" heißt es:
Die Parteikanzlei antwortete:Zitat von Rk. 6890/34 vom 1. August 1934
Der Sachbearbeiter in der Reichskanzlei hat laut Aktennotiz daraufhin den Schriftwechsel am 8. August 1934 an die Parteikanzlei abgegeben. Die Akten der "Kanzlei des Führers der NSDAP (Dienststelle Bouhler)" (BArch NS51), speziell des zuständigen Hauptamtes I, sind leider lückenhaft. Dort ist der Vorgang nicht mehr nachweisbar.Zitat von Antwort der Parteikanzlei vom 6. August 1934
Mithilfe zeitgenössischer Dresdner Adressbücher lässt sich die Angabe "J. Mühlberg" sicherlich konkretisieren. Auf jeden Fall kann man die sichere Aussage treffen, dass die Burgruine nicht das Geschenk des Staatsrats Dr. Mühlberg aus Ohrdruf, sondern eines J. Mühlberg aus Dresden-Loschwitz war. Da wollte uns also mal wieder jemand was vom Pferd erzählen.
Viele Grüße
Sebastian







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