Ein Hobby-Archäologe glaubt, das sagenumwobene Grab des Mongolenführers entdeckt zu haben
VON MICHAEL HAGMANN
Chicago - Mangelnden Eifer kann man Maury Kravitz bei der Ausübung seines Hobbys nicht vorwerfen. Rund 40 Jahre seines Lebens und mehrere Millionen Dollar, nach jahrelanger Überzeugungsarbeit von privaten Geldgebern zusammengebettelt, hat der Chicagoer Anwalt bereits reingebuttert. Denn Kravitz hat eine Vision, und dafür ist ihm kein Einsatz zu hoch: Das Grabmahl des Dschingis Khan - den «Fund aller Funde», wie er es nennt - aufzuspüren.
Seit Ende Juli wittert der Mongolenfan Kravitz - endlich - Morgenluft. Die von ihm vor sechs Jahren gegründete «Dschingis Khan Geo-Historische Expedition» hat im Nordosten der Mongolei ein Gräberfeld entdeckt, in dem allem Anschein nach mongolische Adlige beigesetzt wurden. Das Brisante: Die Nekropole mit mehr als 60 Gräbern liegt in der Nähe von Dschingis Khans mutmasslichem Geburtsort und der Stelle, wo er im Jahr 1206 zum Grosskhan aller Mongolen, dem Herrscher über all «jene, die in Filzzelten leben», ausgerufen wurde.
Auf Grund seiner Lage sei der Grabhügel, den Einheimische «Dschingis' Burg» oder «die Burg des Almosengebers» nennen, eine «faszinierende Entdeckung», so der Historiker John Woods von der University of Chicago, der Leiter der Expedition. Ob sich das Grab des grossen Mongolenfürsten, dessen Reich sich von Nordchina bis zum Kaspischen Meer erstreckte, aber tatsächlich auf dem Friedhof in der Nähe der Stadt Batshireet, rund 300 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ulan-Bator, befindet, «können wir natürlich erst wissen, nachdem wir dort Ausgrabungen durchgeführt haben», gibt sich Woods zurückhaltend.
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